KeinDrama so ein Theater...
28. Apr. 2009

Das sollte jeder Schauspiel-Test-AnwĂ€rter lesen – sagt die Holz

28. April 2009 · von keinHamlet · 3 Kommentare

Runde eins. Der Bericht.
Ich betrete den Ring schon mal 15 min zu spĂ€t, Kate Nash dudelt mir ins Ohr und ich gehe die Symptome durch: Adrenalin, Unruhe, angespannt, MitteilungsbedĂŒrfnis, Zweifel
 schon erwĂ€hnt, dass ich nervös bin? Mit Probenlagersoundtrack auf den Ohren in den Zug. NĂ€chste Vorpremierenzeichen: Wo ist das Klo, Text durchgehen, Theorien entwickeln, was alles passieren wird
, ab und zu aus dem Fenster sehen und die Natur bestaunen. Fahrkartenkontrolle: 6 min VerspĂ€tung. Naja, machbar. PrĂŒfungsprogramm ausfĂŒllen. Max bei Netto einsammeln, in die HMT, das Programm abgeben, in der Mensa warten. Anne schaut vorbei und steht uns moralisch bei. Auch alte Bekannte treffen wir hier an! Piet, von Romeo und Julia aus Hannover! Ich bin natĂŒrlich neugierig, wir tauschen uns aus. Smalltalk ĂŒber Theaterthemen. Welche Rollen spielst du, wie viele Vorsprechen hast du gemacht, was machst du, wenns nicht klappt, mit wem hast du geprobt? Puh. 10:30 Uhr es geht los. Unsere Namen werden aufgerufen und wir verlassen mit 23 anderen die Mensa.


Wer weiß schon, wonach es geht.
(…ein Einblick in meine Notizen, vielleicht nicht nach dem neusten Stand der Erkenntnisse, die werden sicher eigene BeitrĂ€ge bekommen)
Es sitzen im Raum Prof. Valentin und Prof. KĂŒster. Wir sind sehr frĂŒh dran, Max als Erster, da die „Nr. Eins“ zu lange beim Umziehen braucht. Max spielt zuerst den ErzĂ€hler aus dem Schimmelreiter, gleich danach darf ich. Fazit: Hm, es war seine ruhige Rolle, wonach geht es? Ich wĂŒrde gerne rufen: Zeig Temperament, 
 ach Max, ich will zu Runde zwei mit dir! Danach Hitler von Tabori, wie ihn einige in Schwerin schon gesehen haben. Jetzt beginnt der entspannte Teil. Wir sehen uns ALLE anderen Rollen an und beobachten aufmerksam. Mit einem Ă€sthetischen Auge und unserem bisherigen Kenntnistand betrachten wir. Nr.3 war schon echt crazy, fanden wir gut, auch gut gespielt. Nr.4 Und raus, schlecht gespielt, Harry erzĂ€hlt Witze, spricht undeutlich ohne alles. Nr. 5.: Spricht in Reimen, ohne Betonung und gestikuliert wie einVerkehrspolizist. Nr.6: Geil. Nr. 7: Raus. Sie spielt eine Rolle ĂŒber Bulimie. (nicht was, sondern wie sie spielt veranlasst uns zu dem „Raus“) 8: Sitzt, quitschig, jung, klein, Stimme wirkt kraftlos. 9: Tabori – Lotte aus JubilĂ€um – autsch, der (ihr) Ausschnitt, schreit, Panik. Nun, ich sollte das StĂŒck lesen, glaube ich. 10: Clara. Die Jury nickt. 11. Oh! Akzent (Schweiz) Egal gut! Authentisch! (naja) Text liegt unterm Stuhl. Jury: Woher haben sie denn DEN Text? Sie: Theater heute. (Sie hat Dornröschen gespielt) 12. Liebesbrief. Gott schweigt. Zitat: Von MĂ€nnern will ich geliebt werden. Jury: Das versteh ich. 13: Judith (Kommentar Jury leise: …das scheiß StĂŒck), nach GesprĂ€ch ĂŒber ihre Herkunft „Bosnien“ geht’s los. Mir fĂ€llt auf das sehr viele „nich“ oder „nix“ sagen. 14: Anna. Max erster Eindruck: Nein! (Österreich) => zu klein, unglaubwĂŒrdig, schlechte Gestik, Zitat:„..ich habe Reiseleitern, der einen Trink zahld“ 15: Die Wendler – Kassandra. Typ 16: GebrĂŒll vor Lachen – die Frau, klein Anne’s Rolle, aber weit ab vom „Orginal“ 17: Malwut (Sie ist aus ThĂŒringen), Kommentar Jury: Ach ja, meine Heimat) Bemerkung: Man kann der Jury ĂŒber die Schulter lesen. 18: Wow, eine Rolle, Persönlichkeit, ĂŒberzeugend (Jury schreibt: allgemein, fest
) 19. Miller- Allen Eckburn: krasses KostĂŒm. Merken: Strumpfhose + rot und kaputt = blutige Hautfetzen! Ansonsten cool und flippig. 20: Friederike (irgendwie von Fuhrmann oder so) Zitat:„Tanzen Sie mal mit mir, Frau Henschel“ .Anmerkung: ..wartet nicht auf Antwort => „schön, aber schnell, hĂ€tte man lĂ€nger zuhören können. Kommentar Jury: Warum jagen Sie sich so? 21: Rotes Mini, spielt sich selbst => kurzes SchreibgesprĂ€ch. Max: “Na und, sie wird trotzdem genommen (humorvoll)”. H: “..wegen dem Kleid?” 22: Franz Moor – Barfuß. Hat was. Schöne Erinnerungen an „RĂ€ubert Schiller!“ 23: Heilige Johanna (hessisch) – Klaubt ihr? Die LĂ€rchen im Sommerklanz, Klocken, da kriegt man GĂ€nsehaut von. 24: Elektra- power Rolle + gefĂŒhlvoll. 25: (die ehemalige Nr. 1) Krause aus Top Days. Anzug, Lehrertyp, Akzent, gute Stimme, schĂ€tze ihn 23-25. Da, find ich, kommt Hitler nicht ran, ein großartig gespielter Hypochonder.

Durchlauf Zwei. Und wieder hören wir: „Was sehen wir?“
1. Schlomo (Max) JA! Es geht doch! 2. Mephisto. Ich fĂŒhl mich gut. Wenn es nicht reicht,waren es aber wenigstens 100 Prozent, 3. Roy: Ich spreche, als wenn ich Schlafmittel nehme. Das ist doch keine Rolle. 4. Max und ich tauschen Blicke. Max: „Das ist das Beste, was ich seit langem gesehen hab!“ 5. Die Ich spreche in Reimen- Lady. SeerĂ€uber Jenny, Ohne Worte. 6. Kabale. Luise! Hey, davon hab ich heute Abend noch mehr! 7. Beatrice (Widerspenstige) mit Telefon und Schminkkoffer.8. ..die Kleine, mit ihrer zweiten Rolle im Sitzen. Sehr starr. 9. Uh. Ibsen! Nora! Krasse Interpretation, so wĂŒtend stelle ich sie mir nicht vor. Max: Danke! 10. Orsina (Max: Die Geisha), 4 SĂ€tze und Jury: Danke, ihr Lied => Krass, also , sie kann singen, Jury: Sie wollen keine SĂ€ngerin werden, bedenken Sie das! (Sie hat sogar zwei Lieder, Mercedes und noch irgendeins. Jury: Singen sie mal fĂŒr meine Kollegin. 11. Antigone mit sĂ€chsischem Akzent 12. Medea – Nein, oh oh. 13. Bosnien. Jury: gibt Tipp: nicht so abhetzen. Sie spielt vor, dann leiser Kommentar: „..ist das alte Problem. Schule.“ Er: „Nichts?“ Sie schĂŒttelt nur den Kopf. Max: Krass, erst große Zustimmung, dann hat sie „zu schnell“ geredet
 und … raus? Sieht so aus
 14. Max: Raus! Ja. Darstellendes Sitz ohne alles. Ein AkzentrĂ€tsel. 15. Onomatopoesie, starr, ich versteh nicht, was sie mir erzĂ€hlen will und lustig finde ich es auch nicht. Max: Ich hasse ihr LĂ€cheln. 16. Ihr Lied: Der Mond hat sich ein Fernglas gebaut => keine Punkte 17. Schnuller, hinterm Tisch, da sieht man nichts! 18. Abgelehnt 19. Die Bedeutung ihrer Worte bleibt mir verschlossen. 20. Jury: Hetzen sie sich mal nicht so. Denken sie wie die Person
. Sie schafft es kurz, verfĂ€llt dann aber in altes Muster. Jury schĂŒttelt den Kopf. 21. Die Frau, Die Nacht singt ihre Lieder. 22. Ihr Lied? Überrascht uns: cool gespielt, geile Stimme, das gefĂ€llt Max und mir. 22. Edgar Wibeau „Blue Jeans Song“ => sein Gedicht => „Meines Bruders Tod“ von Brecht. Jury (untereinander): „Lass uns spĂ€ter drĂŒber reden.“ 23. Baby auf dem Arm
 eiei
 24. Die Kunst der Komödie- krasse Rolle, gut gespielt. 25. Ferdinand. Wie passend, es endet mit Kabale, krĂ€ftige Stimme, HĂ€nde in den Taschen, Jury schĂŒttelt synchron die Köpfe. Ende. Warten.

Falscher Ansatz
Die Geschichte geht im groben so weiter: Wir warten vor der TĂŒr, Anne kommt vorbei, fiebert mit uns, erklĂ€rt uns die Insiderinformationen, dass wenn wir ausgelassen werden, wir weiter sind und kurz nachdem wir eine halbe Tafel Milka gefuttert haben, werden wir reingerufen. Erst Nr. 25, der nicht weiter ist, dann Max, dann ich. Die Kritik ist umfassend und hilfreich. Ich habe mich gefĂŒhlt wie ein Schuljunge, der anscheinend keine Ahnung hatte, worum es ging in diesem Test. Es war der „falsche Ansatz“, „Laientheater“, zu Ă€ußerlich, zu chargiert, zu grimassiert, Mephisto ist kein Gedicht. Herr Valentin erklĂ€rt mir dann, wie man Rollen erarbeitet: Satz fĂŒr Satz durchgehen und fragen, was damit gemeint ist, alles ĂŒber die Figur lesen, was es gibt, und dann alle W- Fragen beantworten, die es in der deutschen Sprache gibt. In die Rolle fĂŒhlen. Die Message ist klar: Denk nicht nur, sondern sei die Figur. In den ersten Minuten dachte ich mir: Jetzt hast du wenigstens den Kopf frei fĂŒr dein Abitur. Die RĂŒckfahrt nach Rostock Rundgang, mit Eis- und Burgeressen. Lang lang war‘s her. Die RĂŒckfahrt ist von Nachdenken geprĂ€gt. Wir fahren direkt zur Aula. Es steht eine Premiere an.

Ein RĂŒckblick
Viele Emotionen waren in mir. EnttĂ€uschung, Wut, Unruhe, Unsicherheit. Ich sah und sehe mich mit der Frage konfrontiert , was ich will, aber dafĂŒr musste ich erstmal begreifen, was passiert ist. Die Frage, die sich gestellt hat war: Warum ist das passiert? Ich habe doch vorgespielt, ich habe doch viel positive, ja Mut machende Kritik bekommen. In GesprĂ€chen bis tief in die Nach glaube ich begriffen zu haben, warum ich so „ins Messer“ gelaufen bin. Man verliert schnell die RealitĂ€t aus den Augen, wenn man im Schultheater ein King ist, bedeutet das fĂŒrs Schauspiel gar nichts. Ich sollte und habe gelernt:
Manchmal muss man Niederlagen erleben, um den Weg zum „Erfolg“ zu erkennen. Ich muss wissen, was ich will, und wenn ich Schauspiel studieren möchte, muss ich lange und hart arbeiten. Außerdem habe ich jetzt eine grobe Vorstellung, wo diese Arbeit hinfĂŒhrt. Das hĂ€tte ich ohne diesen Tag in Rostock sicher keineswegs.

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Kategorie: Backstage·

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3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 holzen // Apr 28, 2009 um 20:39 Uhr

    Also hab ich doch Ahnung! Das Fettgedruckte ist das echt Wichtige! Die meisten AnwĂ€rter sind nicht bereit, ernsthaft ganz genau die Aufgaben zu erledigen, die der sehr geschĂ€tzte Herr Valentin genannt hat! DafĂŒr braucht man Wochen echtes KnĂŒppeln, so etwa 6 Wochen, wĂŒrd ich sagen. Und der Sinn besteht nicht in DER tollen BĂŒhnendarbietung, sondern vor allem darin, die echten TheaterverrĂŒckten von den Selbstdarstellern und den Mal-Sehen-wie-toll-ich-Bin-Typen zu trennen. Denn nur die Erstgenannten halten dann die Schauspielschule durch!

  • 2 holzen // Apr 29, 2009 um 08:46 Uhr

    Ups! Jetzt ist der Fettdruck weg. Also ich meinte dies: “..Herr Valentin erklĂ€rt mir dann, wie man Rollen erarbeitet: Satz fĂŒr Satz durchgehen und fragen, was damit gemeint ist, alles ĂŒber die Figur lesen, was es gibt, und dann alle W- Fragen beantworten, die es in der deutschen Sprache gibt. In die Rolle fĂŒhlen.”
    Nicht, dass das neu wĂ€re! EIGENTLICH sollte man so jeden Text arbeiten fĂŒr die BĂŒhne. Aber wer schafft das schon im Alltag? Im Schultheater geht es uns oft um anderes, wir machen bezeichnenderweise keine Vorbereitung fĂŒr die SchauspielprĂŒfungen! Eher fĂŒr gutes Zuschauen, fĂŒrs Dramaturgische, fĂŒr den Regieblick! Ich finde zum Beispiel interessant, dass ihr bei den anderen Vorspielen recht klar sagen konntet, was funktioniert und was nicht! …

  • 3 Hamlet // Apr 29, 2009 um 15:22 Uhr

    Ich hab es mal wieder fett gemacht (hatte ein bisschen was rumprobiert).

    Ja, ein Regieblick ist durchaus in Betracht zu ziehen. SelbsteinschĂ€tzung habe ich mir vorlĂ€ufig verboten. Ich habe mich eben sehr ĂŒber mich selbst erschrocken, deswegen bin ich sehr dankbar fĂŒr die Erfahrung. Was als nĂ€chstes passiert ist noch offen, darĂŒber mache ich mir in zwei Wochen
    Gedanken. Immerhin sind die grundlegenden Unterschiede zwischen DS und Theater an diesem Tag ĂŒberdeutlich geworden. Mein Horizont ist ein kleines StĂŒckchen weiter…

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