Theater, das ist ja immer so eine Erfahrung. Heute mal spontan irgendwo rein und zack-bumm, ist es auch schon wieder vorbei.
Ich war heute im Domwinkel. Das Stück: „Um jeden Preis. Am Anfang war die Ehe“. Im kollegialen Umfeld wurde ich Zuschauer einer abstrusen Ehewelt. Meinen Einstieg in das Stück könnte man … unglücklich nennen: Ich hätte gerne irgendetwas Schweres nach dem Schauspieler geworfen (Gefühl). Also Emotionen waren schon mal da. Aggressionen, die aus einer frauenfeindlichen Männerdarstellung resultierten. Tipps zur Verführung von Frauen. Grausam und sanft, respektvoll und anzüglich verführen usw. …
Die verschiedenen Ehebilder, oder besser Eheprobleme – sie wirkten in der Darstellung wie Klischee und schienen “Ehe” auf “Problem” zu reduzieren. Die Konsequenz – der Tod. Mann erschießt Frau und Kinder. Gründe: kein Sex, zuviel Job, Demütigung, Fremdgehen, Frust, nicht zuhören.
Radio-Ultra-Dauerwelle lieferte mir dann eine Gesellschaftskritik, dass Nachrichten so negativ sind, so der Subtext. Die Kritik, ich im Nachhinein an die Dramaturgie des Abends richten könnte. Gut – wer will schon Alte als glückliche Rentner sehen. Das wäre ja befremdlich. Darüber will man ja auch nicht lachen. Ein schwarzes Bühnenbild, schwarze beschriebene Wände, mit absurden Gesetzen, meist aus den USA. Thema: Sex und Ehe. Im Raum stehen viele Fragen, zum Umgang in Beziehungen, zum Umgang mit Problemen. Sie bleiben offen. Die Analyse beschränkt sich auf die Ausbreitung der Probleme. Er hatte nur 36 Mal Sex, sie aber immerhin 36 Mal, sagt sie. Die Nächsten dann 5 Jahre keinen Sex. Eine Entfremdung in der engsten Beziehung zwischen zwei Menschen. Der Mord, die Überhöhung der Bühne, eine Annäherung an die Wirklichkeit. Das Traurige wird für einige als lustig, von mir aber als beklemmend erlebt. Der Medieneinsatz schafft eine neue Überhöhung, eine Absurdität, eine Abstraktheit und hat eine gewisse Perversität.
Fazit:
Erfahrungswelt und meine Naivität: ich glaube nicht, dass so das Leben aussehen muss. Ich meine, dass Theater anstatt nur Schwarz auch Farbe benutzen kann. Schon, damit man das Schwarze als solches überhaupt sehen kann. Der Funke Wärme fehlt. Bleibt sicher Geschmackssache. Wenn man so Dinge über Theater schreibt und seine Gedanken denkt, möchte man das Stück gleich noch mal sehen. Sowas.

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