KeinDrama so ein Theater...
27. Okt. 2009

RĂĽckblick: Romeo und Julia – Maxim Gorki Theater

27. Oktober 2009 · von keinHamlet · 2 Kommentare

Heute war ich Besucher, Zuschauer, Berliner. Ich habe mir eine Geschichte erzählen lassen, habe gelacht und beobachtet, habe mir an den entscheiden Stellen meinen Teil gedacht. Erst war ich amüsiert über das Publikum, später etwas verärgert. Damit man das versteht muss man aber mehr über den Inhalt wissen:

Romeo und Julia – eine Geschichte wie sie heute passieren könnte, in dieser Stadt. Capulets und Montagues sind Gangs. Den Capulets gehören die Clubs, den Montagues die Straßen. Es gibt nur eine Sache der die Beiden verfeindeten Gangs verbindet: HipHop.

In diesem Konzept liegen Vor- und Nachteile. Es gab deutliche Stellen, wo das Spiel funktionierte und Streckenweise nicht funktionierte.
Vorteil war sicher die Assoziationsebene für ein junges Publikum und auch der normale Zuschauer, fand den Konflikt in der Gegenwart. Eben keine alten Italiener mit Degen, keine Giftfläschchen, kein barocker Balkon. Die Sprache war nahe am Alltag, nehme ich an, aber ihr wurde kein Sonderstatus zugemessen. Es mischte sich sowohl Shakespeare mit Kiez Slang und beides wurde auf die Schippe genommen. Beides wurde instrumentalisiert. Schwierig wurde dadurch nur die Glaubwürdigkeit der Figuren. Ich könnte auch eine Abhandlung über PUBLIKUM schreiben, aber bleiben wir beim Konzept.
Am Anfang des Stückes wird angekündigt, dass der Konflikt der Gangs in einem BATTLE (gewaltfreier Kampf mit Worten) gelöst werden soll. Wer das „Rap Battle“ gewinnt, der bekommt die Stadt. Für immer. Romeo und Julia lernen sich beim Einräumen der Bühne für das Battle kennen. Bis es zum Battle kommt vergeht gut eine Stunde. Handlung. Halbzeit, ohne Pause, aber ab jetzt verändert sich etwas. Mehr Shakespeare Text, weniger gedizze, dafür mehr Konflikt und Handlung. Es kommt zu bewegenden, witzigen Szenen zwischen Romeo, der bis zur Battle Szene eher wie Eminem wirkte und Julia, die etwas an Oberflächlichkeit verlor. Die Szenen werden stiller, intimer, was das johlende Publikum, nun fast etwas überfordert. Da kam von der Bühne ein Kommentar wie: „In das Alter kommt ihr auch noch.“ Allgemein wurde souverän auf die Zuschauer reagiert, auch wenn Julia beim Applaus kein Lächeln mehr fand. (trotz donnernden Applauses. Respekt?)
Eine Affäre zwischen Mercutio und Mia (quasi Romeo und Julia #2, in der Nebenhandlung), ein mächtiger Paris, der sich zwischen lächerlich und gefährlich bewegte, zwei „profi“ Rapper Auftritte, obwohl mir einer gereicht hätte. Meine erste Romeo und Julia Inszenierung, wo Romeo nicht tot neben Julia liegt. Besonders machte das Stück AUCH die Ästhetik, die Bühne, der Einsatz von Film und die spielerische Leistung. Mit ein bisschen mehr Strich, hätte alles gut, oder besser funktioniert, so war es Streckenweise anstrengend. Und „etwas“ zu laut.
Ja sehr viel schönes und sehr viel schwieriges. Keine „glatte“ Schow, keine „traditionelle“ Interpretation. Die letzte Stunde würde ich gerne ohne Kreuzbergklassen nochmal gucken. Ce la vie.

Link: zur Vorschau

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Kategorie: Bericht·

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