…läuft gerade in Leipzig und hat folgendes angerichtet…
Der Vorhang hebt sich und schon müssen wir das erste Mal tief Luft holen, soviel Muff staubt uns von der Bühne entgegen. Ahnengalerie, Teeservice und tonnenschwere Vorhänge ergänzen sich zu dem Bild einer Boulevardtheaterkulisse in saftigem Ocker. Allein diese Ausstattung hat eine so starke Sprache, das die Erwartungen und die Sehnsucht nach dem Bruch der optischen Situation durch das Spiel nur eilends herbei gesehnt wird. Doch müssen wir geduldig sein, es ist Tea- Time im Hause von Tante Abby und Martha, da hat alles andere Zeit und kann warten. So warten wir vergeblich darauf, dass die Slap- Stick Einlage der Teegäste „Drei in Einem“ sauber die Kurve kriegt und die Bourgeoise Steifheit gekonnt überhöht. Der Versuch bleibt Versuch und der nicht enden wollende Lächerlichkeitsmarathon für die nächsten brutalen 3 Stunden ist eröffnet.
Dass hier das Theater und seine Wirkung beim Publikum, insbesondere bei großen und kleinen Kritikern, auf die Schippe genommen werden soll, daran werden wir mit zahlreichen Seitenhieben und Schenkelklopfern minütlich erinnert. Aber Dezentheit und Subtilität sind wahrlich keine Themen dieses Abends.
So zappelt Mortimer wie unter Strom in einer Endlosschleife, wenn er zum vierten Mal die gleiche Leiche in der Fensterbank entdeckt, schreit wie ein Kind nach seinen Tanten, welche Tote in Möbeln vollkommen natürlich finden und die Lage so nur verschlimmern. Es ist dem Jungen also fast nicht zu verübeln, dass er die Kurzschluss- Wahnsinnsattacken wieder und wieder bekommen wird, nur leider mögen wir diesen Horrorhumor nicht. Diese alberne körperliche Höchstleistung, bei der Holger Stockhaus literweise Schweiß auf die Stirn tritt, ist nicht dass, was wir uns anfangs unter der unerwarteten Wendung vorgestellt hatten. Besonders nicht in seinen sinnlosen, sich ausdehnenden Wiederholungen an Text und Bewegungsabfolge, die den Abend zäh wie Kaugummi machen. Obwohl zugegebenermaßen, Stockhaus Spiel mit Körper und Sprache sehr präzise ist und das einzige, was uns doch gelegentlich ein Lächeln abringt. Die weiteren Figuren des Panoptikums sind nur laut und komisch, sie zappeln ein bisschen, weil zappeln immer gut ist um zu zeigen, dass man jetzt vollkommen verrückt geworden ist. Dazu ein paar grellgrüne und rote Lichtakzente und das Frankenstein- Kabinett ist vollendet.
Wenn das nun die flapsige Antwort und große Abrechnung auf das in den Kritiken verrissene wilde Großstadttheater sein soll, dann ist dies keinesfalls die bessere Alternative und auch sicher nicht das, was Kritiker, ob groß oder klein, gemeint haben, als sie Effekte und Waghalsigkeiten verwünschten. Aber wunderbar, so findet Hartmann seine Aussage immerhin bestätigt, alle finden immer alles doof und anzüglich. So ist es nämlich tatsächlich: Dieses „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist doof und anzüglich. Ach, und lächerlich.
PS: Ich musste leider in der Pause flĂĽchten, zum ersten Mal in meinem Leben…und dann gabs Jägermeister…auch zum ersten Mal in meinem Leben…

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