Gestern Abend feierte der Jugendclub vom Gorki Theater Berlin Premiere. Das Stück Kaufland von Phillip Löhle wurde gespielt. Dreizehn junge Menschen im ehemaligen Speisesaal des Rathaus Weißensee. Eine große Bühne und 2 Reihen Stühle ganz nah davor. Scheinwerfer heizten den Raum und als es dann losgehen sollte, nahm ich brav meinen Platz, in der zweiten Reihe links, ein.
Jugendclub, da schwingt bei mir in diesen Tagen etwas bitteres mit, aber trotz meiner eher mittelmäßigen Laune, war ich neugierig was mich hier erwartete. Kaufland. Das ist so ne Supermarktkette. Also wäre der Spielort geklärt. Heute war der Speisesaal, ein Kaufhaus mit Küchen-, Lampen- und Bettenabteilung. Drei Spielebenen, drei mal Bettenabteilung. Links dunkle Kreidetafeln auf dem Boden, in der Mitte ein Bett und rechts Kartons. Im Hintergrund stehen die Spieler, wie Figuren in einem Schaufenster. Bunt + trashig = jugendlich.
Ich verkaufe, also bin ich.
Das Spiel beginnt. Die Protagonisten lösen sich aus den “Schau”fenstern, gehen nacheinander zu einem Mikro im Hintergrund, machen eine typische Kaufhausdurchsage, und setzten sich dann vor die Schaufenster. Kostüme schwarz, weiß, uniform. Ein Schlips und ein rotes Tuch werden immer dann angelegt, wenn der Schauspieler in eine der Hauptrollen schlüpft. Tibor und Barbara.
Erste Dialoge. Barbara fährt sonst mit Jürgen, der ist aber nicht da. Dann laufen, oder die Monatskarte nutzen?
Hier geht es also nicht um konsumierende Jugendliche.
Die Geschichte im Kauf Land, ist die Geschichte von Angestellten und Kunden. Kunden, die nicht kommen, oder nicht kaufen. Die bedrohte Existenz des Verkäufers, wird langsam demontiert. Erst verschwindet Jürgen, dann werden die Mitarbeiter in andere Abteilungen versetzt und zum Schluss ist Tibor, der Mann aus der Bettenabteilung, alleine. Zwischen Ängsten, Verkaufsstrategien, und den traurigen Versuchen “wie früher” zu verkaufen, bleibt ein trauriges Bild. Auch die Texte der Spieler bilden einen Kanon, effizient lesen, über Wohngeld Anträge hin zu To-Do-Listen und bringen den nötigen Bezug zum Leben in der Gegenwart.
“Ökonomie des Lebens”
Was bedeutet Leben? Was ist Ökonomie? Wie ökonomisch ist unser Leben?
Diese Fragen lese ich im Programmtext und antworten muss ich großteils selbst, denn auch wenn das Thema der Spielzeit klar getroffen wurde, bleiben Fragen offen. Müssen ja auch immer, aber geht da nicht mehr?
Die Chance eigene Antworten und eigene jugendliche Blickwinkel auf Ökonomie und Leben zu geben, wurde für meinen Geschmack dem Ensemble zu wenig ermöglicht. Kurze prägnante Szenen, 3 Charaktere, 13 mal interpretiert, 2 Gruppenszenen, 90min, 13 kurzen biographischen Monologen – ein ernstes Thema, mit viel Witz und unbeantwortete Fragen, die mich echt interessiert hätten.
Kauf dich glücklich.
Ich dachte an Karstadt und andere Krisen, an kleine verlassene Boutiquen und Einkaufsstraßen.
Die Atmosphäre des Stücks hatte mich gegriffen, ich war bedrückt und fühlte teilweise mit, teilweise hatte ich Schwierigkeiten mit dem “wer ist wer”.
Was ich mit nach Hause nahm, waren neue Fragen, Gedanken, Eindrücke und eine Geschichte, die die gebrochene Realität, zwischen Marktwirtschaft und Mensch erzählte.

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