Die Dukes of Windsor im MAGNET – das ist wirklich kein Drama, aber warum nicht auch mal ein Konzert besprechen? Vor allem, wenn es um eine Band mit einem so besonderen Lokalkolorit geht: Die fünfköpfige Band bestehend aus Oscar Dawson, Joe Franklin, Scott Targett, Jack Weaving  und Mirra Seigerman hat im Dezember 2009 ihr sonniges Australien verlassen und ist geschlossen in die coolste Stad der Welt gezogen – Berlin. Mindestens seitdem laufen auch die Berliner Radios bei dem Dukes-Song It’s A War heiß.
Weniger heiß lief gestern leider das Berliner Publikum im MAGNET (der übrigens noch diesen Monat die Greifswalder Straße verlässt!). Bei der Dukes-Vorband The Intersphere war das auch mehr als verständlich. Pseudo-cooler Emotional-Rock à la Muse (oder wer weiß, bei wem sich die Band versucht hat, leidende Rocker-Posen abzugucken), der in erster Linie unecht und aufgesetzt wirkte und die Beine so gar nicht zum Tanzen verführen wollte. Das könnte auch daran gelegen haben, das im Grunde ein Song wie der andere klang; und 45 Minuten zu einem einzigen Song tanzen will ja nun wirklich niemand – es sei denn vielleicht, es ist ein Doors-Song. Türen haben The Intersphere aber gestern eher geschlossen: Türen zum Mittanzen, zum Mitpogen, zum Mitrocken – zum Mitgehen.
Warum das Publikum bei den Dukes Of Windsor dann aber eine ziemlich zähe Masse blieb, ist dann wohl doch eher ein Rätsel des Berliner Nachtlebens: für mich ungelöst. Tanzende Menschen waren jedenfalls nur vereinzelt anzutreffen, vor allem wenn Mit-dem-Kopf-Wippen-und-mit-den-Zehen-Wackeln nicht zählt, von Pogo ganz zu schweigen. An den Dukes lag das aber nicht, die lieferten nämliche eine enthusiastische, überzeugende Show ab. Mit neuen Songs und gut bekannten Singles (It’s A War als dritter Song des Abends), mit authentischen und gar nicht ausgelatschten Rocker-Posen kamen sie musikalisch auf den Punkt, boten mehr, als eine myspace-Seite bieten kann, und waren dabei so sympathisch!
Diese Sympathien hatte die Band vor allem Sänger Jack Weaving zu verdanken (der beim Tanzen immer ein bisschen aussieht, als würde er durch den Görlitzer Park joggen), und das obwohl er fast gegen Ende erklären musste: „Ich bist krank.“ Da wurde er auch gleich von Gitarrist Oscar Dawson korrigiert: „Ich bin krank, du bist krank. Und Jack ist ein Dummkopf.“ Klar. Bei einmal die Woche Volkshochschule muss man mit seinen frischen Deutschkenntnissen auch mal ein bisschen angeben können… Sie meinen es eben ernst mit ihrem neuen Zuhause.
Und das ist in gewisser Weise auch ihr Kapital: Die Dukes Of Windsor sind keine besonders innovative oder einzigartige Band, deren Alben man all seinen Freunden zu Weihnachten schenken will. Sie bieten einfach soliden Indie-Rock zum Tanzen, zum Spaß haben, zum Abgehen. Und sind eben vor allem eins: sympathisch. Deswegen bleiben sie auch auf jeden Fall ein Tipp für alle Berliner, die für nicht ganz so viel Geld (gestern: Ticket 8€) ein gutes Rockkonzert erleben wollen. Und nebenbei eben auch ein bisschen Verliebt-in-Berlin.
Lydia Dimitrow
Noch mehr Infos zu den Dukes of Windsor: zum Hören auf myspace.
Und dann noch ihr Blog:Â (genauso sympathisch wie die Band selbst).

2 Antworten bis jetzt ↓
1 Musik-News Checker // Mrz 26, 2010 um 16:00 Uhr
Habe die Jungs zwar noch nicht live gesehen, aber ihr Album ĂĽberzeugt mich sehr. Ich werde mal schauen, wann ich sie live erleben kann. Aber ein super Bericht…Gefällt mir.
2 LauschgiftLydia // Mrz 30, 2010 um 15:14 Uhr
Danke für das Feedback! Freut mich immer! Und schön, dass dir der Bericht gefallen hat. Genau deswegen habe ich den hier gepostet: Weil man in Berlin hoffentlich öfter mal die Gelegenheit haben wird, die Dukes live zu erleben. Viel Spaß dann!
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