Schon vor einiger Zeit las ich den Artikel auf Stern.de zum Thema “Deutsche Bühnen – Absurdes Theater” – Es geht um die Kultur, um das sparen und die Gehälter. Wer verdient was? Es ist bekannt: Schauspieler verdienen schlecht. Aber wer spielt da noch so mit? Einen kleinen Einblick, was sich hinter den Kulissen befindet, bekommt man im Artikel von Walter Wüllenweber.
Absurdes Theater – Finanzpolitik
11. November 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
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“That’s How It Felt” by Apollo Run (50in50 wk.42)
31. Oktober 2010 · von keinHamlet · 2 Kommentare
Schon ein paar Berichte hab ich über das Projekt „50in50“ hier veröffentlicht. Zuletzt wurde es über Kickstarter finanziell unterstützt. Jetzt ist eine, finde ich, der intensivsten und ästhetisch anspruchsvollsten Folgen erschienen.
Mehr Infos unter: 50in50
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Ein deutsches Trauerspiel… Schließung des Thalia Theaters Halle (Saale)
17. Oktober 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
Es ist ein Desaster. Die verbleibende Hoffnung ist gering. Und doch wäre es eine Schande, nichts zu tun…
Heimlich still und leise will Halle an der Saale sein Kinder- und Jugendtheater abschaffen. Ein Theaterhaus voll Geschichte und Geschichten. Ein Spielplan so nah an der Heimatregion des Theaters, dass die Schließung mit dem Wort FREVEL wohl kaum kommentiert ist. Ein wahres Trauerspiel!!!Zeigt Gesicht und helft uns, den kleinen Aufstand zu proben! (hier zu Petition)
Mich erreichte diese Nachricht. Da ich aus meiner persönlichen Erfahrung weiß, wie wichtig Theater für Jugendliche sein kann, welches Potentital und welche Chancen darin stecken, Kultur, sich selbst und unsere Gesellschaft besser zu begreifen und zu erfahren, bitte ich euch diese Petition zu unterstützen!
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Tout va bien – Alain Buffard
11. Oktober 2010 · von Lydia Dimitrow · Keine Kommentare
!KEIN DRAMA – JETZT AUCH AUS DER SCHWEIZ!
Gegen den Drill richtet sich Alain Buffards Tanztheaterstück Tout va bien, das am 2. und 3. Oktober im théâtre ARSENIC in Lausanne zu sehen war. In diesem Stück voller Gewalt und Sexualität geht es vor allem um Macht: darum, wie sie sich verschieben kann, darum, was es bedeutet zu unterdrücken, unterdrückt zu werden, sich anzupassen.
Während auf der Bühne Texte aus Kubricks Full Metal Jacket und Brechts Dreigroschenoper mit Gesangsstücken aus dem 18. Jahrhundert versetzt werden, fühlt der Zuschauer sich keineswegs wohl. Die Bilder und Szenen, die die Tänzer/Schauspieler da auf der Bühne entstehen lassen, bereiten eher fast körperliches Unbehagen; man kann es kaum aushalten, will aufstehen, will, dass es aufhört – und gleichzeitig spürt man, dass es hier kein Entziehen gibt. Dass der Drill überall lauert, der Drill, die Anpassung, die Ignoranz, die Gewalt.
Tout va bien ist ein Stück, das einen überrascht, nicht nur ob seiner Textlastigkeit – Texte in französisch, englisch, hebräisch und deutsch – sondern auch ob der Musik: Gesangssoli und Duette, Chorgsang und Akkordeonmusik, alles von den Tänzern auf der Bühne umgesetzt.
Es lässt einen nicht mehr los, Alain Buffards Stück, in dem nicht mal scheinbar alles gut ist. Wenn man sich eine Woche später den Trailer zum Stück auf youtube ansieht (unbedingt ansehen!), kommt die Gänsehaut zurück.
Tout va bien – der schönste Euphemismus des europäischen Tanztheaters.
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Spielzeitpausenende
24. September 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
Mit Schirm, Scharm und Scharmützel geht’s weiter auf dem großen Bühnen. Da meiner einer gerade unglaublich wenig ins Theater geht, nicht mal über das Rostocker Sommertheater geschrieben hat, (was wirklich gut war) bleibt mir jetzt das Vergnügen ein Link auf einen wirklich erhellenden Artikel bei Stern.de: „Absurdes Theater“ an/auf Deutschen Bühnen weiterzugeben.
Wer verdient was? Wer hat welche Arbeitsverträge? Wo wird gespart wenn es heißt: Rotstift.
Prädikat: Lesenswert.
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Tabori
11. August 2010 · von Toast · Keine Kommentare
Und mal wieder aus den Tiefen des Reiches Youtube.
Wer das Glück hatte, damals im BE dabei gewesen zu sein, der wird diese Hommage so schnell nicht vergessen; es war eine Ehrerbietung an eine große Theaterlegende, an einen exzellenten Dramatiker an einen, dessen Blicke auf die Welt uns immer zum Denken anregten und anregen…
Leider ist diese Fassung hier, die im TV ausgetrahlt worden ist, eine etwas gekürzte Version; mir ist unklar, warum man sowas schneiden muss(te) — Nun denn, ein Sammelsurium für Theaterfreunde ist es allemal…
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Der Klassenkasper
4. Juli 2010 · von Toast · Keine Kommentare
Ein Zeit-Artikel von 2000 fiel mir neulich in die Hände. Es ging um Harald Schmidt, ein Interview über seine damals neue Show und wie er als Schauspieler all seine Erfahrungen in die bis heute legendär gebliebene Late-Night-Show einbrachte, sehr interessant!
Hier: noch der direkte Link zur Zeit-Seite
Der Klassenkasper
Meine Lehrjahre (1): Harald Schmidt, TV-Entertainer
Harald Schmidt, 42, ist Deutschlands “Late-Night-König”. Für seine “Harald Schmidt Show” auf Sat.1 wurde der TV-Profi mit Preisen überhäuft. Die Rolle des “Dirty Harry” spielte er aber bereits in der Schule. Mit Harald Schmidt starten wir unsere neue Serie, in der Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien von ihren Erlebnissen als Schüler, Studenten oder Lehrlinge erzählen.
ARAL. Das erste Wort, das ich lesen konnte, war Aral. Da war ich fünf Jahre alt und ging noch nicht in die Schule. Wie ich lesen gelernt habe, weiß ich nicht mehr, irgendwann konnte ich es halt. Meine Eltern haben mich sehr dafür gelobt.
Ich erinnere mich an viele Details aus meiner Schulzeit. An meine Grundschullehrerin zum Beispiel: Frau Nießner war eine strenge, ältere Dame, für mich eine Autorität, eine Art Johannes Rau im Rock. An den Mathelehrer im Gymnasium, der eine klare, solide Diktatur aufgebaut hatte. An die Mitschüler, die ich ständig verarschte. An den Pausenhof. Da stand ich immer in einer Ecke und kommentierte alles, was passierte.
Ich war sehr früh Klassenkasper und bin das bis zum Schluss geblieben. Ich war eben nicht so problemlos integrierbar, schlecht im Sport, ängstlich. Deshalb habe ich mich hinter Ironie verschanzt. Mit acht oder neun Jahren bekam ich eine Brille – als erstes Kind in der Klasse. Ein Kassenmodell, graues Horngestell. Heute Kult, so was trägt Oasis, aber damals fand man das schrecklich.
Dass ich aufs Gymnasium gehen würde, stand nie infrage. Denn in der Grundschule hatte ich nur Einsen. Meine Noten blieben auch im Gymnasium erst mal gut. Nur in Betragen hatte ich bald “befriedigend”. Für meinen Vater der Horror, schlimmer als eine Fünf in Mathe. Ich war permanent vorlaut, redete im Unterricht ständig dazwischen.
Verweise und blaue Briefe waren mir Wurscht, Noten irgendwann auch. Etwa in Sport. Als ich für das Abitur eine Geräteübung vorturnen sollte, habe ich mir zehn Minuten lang die Hände mit Magnesium eingerieben. Dann einmal kurz am Reck hochgezogen, das war’s. Die Halle hat getobt vor Lachen, es gab Standing Ovations. Und ich bekam eine Sechs.
In der zwölften Klasse bin ich durchgefallen, mit fünf Fünfen im Zeugnis, ich hatte jahrelang kaum gelernt. In Latein konnte ich irgendwann nicht mehr erkennen, was ein Eigenname und was ein Verb ist. Einen Satz wie “Die Schiffe verlassen den Hafen” habe ich mit “Die Ithaker standen am Büfett” übersetzt.
Wichtiger als das Lernen war in den letzten Schuljahren die Vorbereitung auf meine Schauspielerkarriere. Ich war der offizielle Schul-Entertainer, habe das Schultheater geleitet. Außerdem bin ich ständig von Nürtingen, wo ich wohnte, nach Stuttgart ins Theater gefahren. Sobald ein Schauspieler dort einen neuen stimmlichen Manierismus draufhatte, habe ich den imitiert.
Dass ich die Aufnahmeprüfung für die Stuttgarter Schauspielschule bestehen würde, habe ich nie bezweifelt. Von 80 Bewerbern wurden 4 ausgewählt, ich war dabei. Meine Kollegen dort hielten mich für oberflächlich. Es war damals in, nicht sprechen zu können und ständig Heulkrämpfe zu haben. Doch ich wollte schon da ganz vorne stehen, viel Licht und die meisten Lacher haben.
Die Ausbildung dauerte drei Jahre: Gruppen- und Einzelunterricht, Körpertraining, Improvisation, Sprechtraining. Ich fand das toll und wichtig. Aber ich denke, ich wäre heute nicht der, der ich bin, ohne meine Erfahrungen aus der Schulzeit. Eigentlich verwerte ich die Beobachtungen von damals permanent in meiner Show: versoffene Zahnarztfrauen, verpisste Damentoiletten auf dem Ausflug der katholischen Kirchengemeinde, die Pauker, die Streber – alles. Man muss das selbst mitgemacht haben, um es später verspotten zu können. Nicht ohne Grund gibt es keinen Komiker, der aus der Oberschicht kommt.
Aufgezeichnet von Sigrun Albert
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Besuch in der Heimat – Unser Haus
30. Juni 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
„I will live forever“ dröhnt es an mein Ohr. Ich sitze in einem Raum mit nackten Betonwänden, auf einem Campingstuhl, um mich herum tanzen ausgelassen junge Menschen. Die Wände sind mit vielen Farben beschmiert, ergeben ein bizarres Bild im Licht des Scheinwerfers.
Farbe, Räume, Geschichten gehen mir durch den Kopf. Kopfkino.
„I will live forever…“ und ich spüre wie dieser Ort seinem Ende entgegensieht. Ich weiß um seinen Abriss. Es war sein letzter großer Auftritt. Game Over.
Wie beginnt man eine Geschichte, deren Anfang und Ende man nicht kennt?
Ich bin einer Einladung gefolgt: Theatergruppe hat Haus, aus Dornröschenschlaf geweckt.
Der Plattenbau wird abgerissen werden, aber vorher wollen Schüler das Haus besetzen und seine und ihre Geschichten erzählen.
Es ist 18:50Uhr und während ich aus dem Auto steige, sehe ich schon eine Ansammlung von Menschen vor einem großen kastenförmigen Betongebäude. Mitten in einem sozial schwachen Plattenbaugebiet. Leer stehende Blocks, die Nachbarn sind ein Obdachlosenheim und Carisatt.
Man kennt die Geschichte dieses Bezirks und bringt seine eigenen Gedanken mit. Hier rechnet man mit erschütternden Geschichten sozial schwacher Randgruppen. Was könnte mir sonst so ein Haus erzählen?
Hier war bis vor 20 Jahren ein Zuzugsgebiet, ein Arbeiterwohnheim, vor allem für Vertragsarbeiter aus Vietnam, dann für Asylbewerber und Spätaussiedler, ein Übergangsquartier für alle möglichen Menschen in Übergangssituationen, schließlich auch ein muslimisches Zentrum und seit 7 Jahren – nichts. Ein Plattenbau -gebaut mit großen Ambitionen des DDR-Staates. „Wohnen am Park“ und „positive Sozialprognose“ haben dieses Projekt begleitet. Der Abriss ist für August 2010 geplant. Wenn Geld dafür da ist.
Ich begebe mich unter die Leute, sehe bekannte Gesichter, schließe mich einer Gruppe (Familie) von Besuchern an, erwerbe ein Programmheft und warte.
Noch vor dem HAUS sehen wir die grauen Wände, die Farbe, die abbröckelt, und die Spieler beginnen ihr Spiel. Ein Spiel mit dem Klischee, mit der Fantasie, mit Vorurteilen und bitterbösem Humor, der betroffen und nachdenklich macht. Der unsere Sicht auf Menschen und Stadtteile, sei es Berlin-Marzahn oder Schwerin-Großer Dreesch, hinterfragt. Da krepiert der Lacher im Hals, da verschluckt man sich an der Realität. Trotzdem kommt keine Moral, sondern ich bleibe bei mir und bin Zuschauer.
Hier werden einmal meine Erwartungen gebrochen, damit ich mich einlassen kann auf das Filigrane, auf das Wirkliche, das Eigentliche, das Persönliche.
Es beginnt ein Rundgang, eine Führung, von Wohnung zu Wohnung, von Raum zu Raum, von Geschichte zu Geschichte, von Beobachtung zu Beobachtung, von Gedanke zu Gedanke, von Traum zu (Alp)Traum. 2 Etagen, 5 Abteilungen, 29 Räume, 4 Ausstellungen, 33 Spieler.
Die folgende Stunde ist wie Kaninchenbau, ist Wunderland, ist Kindheit, ist Suche. Das weiße Kaninchen hat grüne Fußabdrücke, die Grinsekatze eine Trillerpfeife. Ich bin Alice und folge Treppe rauf und runter, durch scheinbar endlose Flure.
Es geht ums Wohnen, ums Leben, um Zukunft. Es geht um Schönheit, um Träume, um Glauben, um Liebe, um Ängste… dieses Haus ist ein Museum geworden, ein Fundort persönlicher Geheimnisse und Gedanken. Manche so leise geflüstert, dass sie im Stimmengewirr untergehen, manche an die Wand geschlagen, geschrieben. Sie sind allgegenwärtig. Ich verlasse keinen Raum, wie ich ihn betreten habe. Dieses Haus lebt, für einige Minuten, voller Stimmen, voller Menschen, voller Erinnerungen einer alten und den Träumen einer neuen Generation. Ich lese Wände wie Tagebücher, sehe Parolen und bekomme eine Ahnung von Geschichte. Es ist so vielseitig wie einzigartig, so persönlich wie künstlerisch. Die Räume erzählen, die Spieler erzählen und gemischt mit meinen Gedanken, ergibt es einen Sog, in dem sich viele Bilder vermischen und doch einzeln gesehen werden. Ein einzigartiges Theatererlebnis, wo ich mit wenigen Menschen in einem dunklen Raum, ohne Fenster und mit 8 Türen, stehe und ein Spieler rennend an den Türen rüttelt, den Ausgang sucht und die Frage nach dem „Woher? Wohin?“ stellt.
Es begleiten mich Beklemmung, Trostlosigkeit, so wie mich Ideen und Räume beschäftigen, ich über Träume schmunzeln und über Geschichten staunen muss.
Und wie Alice verlasse werde ich das Wunderland… ohne alles gesehen zu haben. Aber wie Alice nehme ich etwas nach Hause mit und bin mir sicher, dieser Abend „will live forever“.
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Hedda Gabler in der Schaubühne
8. Juni 2010 · von Lydia Dimitrow · Keine Kommentare
Hedda Gabler ist eine echte Inkarnation des Bösen. Und ist es nicht interessant: Wann immer man auf eine solche in weiblicher Form stößt, sei es in der Literatur, im Film, im Theater, so ist es doch meistens eine, die der vollen Weiblichkeit entspricht – falls es so etwas überhaupt gibt –, die ihre erotischen Reize zur Waffe macht, immer oszillierend zwischen Eros und Thanatos. Gefährlich und sexy. Oder: Gefährlich, weil sexy. So sind die weiblichen Bösen der Kulturgeschichte.
Erfrischend spröde dagegen erscheint dem Zuschauer die Hedda Gabler der Schaubühne. Katharina Schüttler hat alles Warme – und eben auch alles Heiße – aus ihrer Figur verbannt: Sie ist die Inkarnation des Bösen, weil sie mit jeder Faser ihres Körpers Kühle, Härte und Gleichgültigkeit gegen andere verkörpert – und das selbst beim Anbandeln mit dem Anwalt ihres Mannes, bei der Wiederbegegnung mit ihrem Früher-mal-Geliebtem. Sie scheint resistent gegen die Gefühle und Schicksale ihrer Mitmenschen, kann weder für Mann noch potentiellen Geliebten noch Freundin Mitleid aufbringen. Â
In charmanten Gegensatz zu ihr setzt sich gekonnt Lars Eidinger, der als Heddas Mann seine Figur die volle Harmlosigkeit verkörpern lässt. Jörgen Gabler, ein aufstrebender Historiker mit Professuraussicht, ist ich-bezogen und verblendet; obwohl seine ganze Sorge seiner Frau, ihrem Wohlbefinden und der gemeinsamen Zukunft gilt, ist er doch nicht in der Lage, Heddas wahren Charakter und ihre wahren Bedürfnisse zu erkennen. Er jagt Idealbildern nach, hält Illusionen aufrecht, ohne Sinn für die Realität, ohne zu merken, dass seine Ehe auf Lügen aufgebaut ist. Und dabei spielt Eidinger diesen Jörgen so wunderbar naiv, unendlich unbedarft, unendlich gutherzig.
Trotz dieser eindeutig scheinenden Sympathieverteilung gelingt es Regisseur Thomas Ostermeier in seiner klugen Inszenierung, das Gleichgewicht zu halten. Er macht dem Zuschauer das Urteilen schwer, denn in diesem Stück von Henrik Ibsen trägt jede Figur eine Teilschuld. Sie alle leben in ihren Scheinwelten mit ihren Scheinwahrheiten, belügen sich selbst und benutzen andere, um ihre Lügen aufrecht erhalten zu können. Sie schaffen Abhängigkeiten, um sich selbst Konsistenz zu geben. Es geht um Macht und um die Frage nach Aufrichtigkeit.
Den Darstellern gelingt es sehr gut, diese Themen herauszukristallisieren und den Text immer wieder stärker zu spielen, als er in dieser furchtbaren und unpassend modernisierten Fassung, die die Schaubühne präsentiert, eigentlich ist. Man sieht den Figuren dabei zu, wie sie einander und sich selbst zugrunde richten, und das zu lakonischer Beach-Boys-Musik: „I may not alwyas love you/ but long as there are stars above you“. Und: „God only knows, what I’d be without you.“
Zum Schluss weiß auch der Zuschauer, what he’d be without her: Hedda erschießt sich, Jörgen bleibt zurück. Die Inszenierung unterstellt: mit altem Freund und alter Tante, vielversprechendem Buchprojekt und neuer Freundin in Aussicht. Das wirkt frech sarkastisch in Anbetracht dessen, was in den letzten zwei Stunden da auf dieser wunderbaren Drehbühne mit Spiegeleinsatz und Videoprojektionen alles kaputt gegangen ist. In Beziehungen. In Menschen. Aber vielleicht – ist es ja im wirklichen Leben manchmal tatsächlich so.
Lydia Dimitrow
“Hedda Gabler” in der Schaubühne am Lehniner Platz. Gesehen am 05.06.10. Weitere Infornationen hier.
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Schlossfestspiele und junge Bühne Blog
4. Juni 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
Letzte Woche noch beim ttj getippt, kann ich diese Woche mich wieder ganz dem lesen und beobachten widmen. Seit einer Weile habe ich den Blog der Zeitschrift: „Jungenbühne“ im Feed Reader. Unter „Block’n'Roll“ ist ein Link zu finden. Jetzt gerade wird eine ganz interessante Reihe über die Schweriner Schlossfestspiele gebracht. Junge engagierte Blogger, da muss jetzt hier einfach mal Werbung gemacht werden. Frohes stöbern.
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