FZ_#1
21. Mai 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
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Morgen, Kinder …
20. Mai 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
wirds was geben… nämlich die FZ #1. Morgen beginnt das 31. ttj, DAS Theatertreffen der Jugend. Die Wabe hat ihre Festival Form eingenommen (wabig), die Fassbrause schmeckt schon. Ich habe mich als Fan geoutet und bin dieses Jahr (wieder) dabei. Diesmal nicht auf der BĂĽhne, sondern an der Tastatur. Es warten 8 Gruppen, junger, ambitionierter Menschen, die in 9 Tagen Festival viel zeigen, sehen, lernen, erleben, essen, lachen und wenig schlafen.
Hier lang zum Blog… wo Khesrau ab Samstag auch vom Festival bloggen wird.

(der zeitnahe Leser merkt, ich bin einen Tag zu spät. heute war etwas Zeitdruck)
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Theater, Schule – Achtung! Wichtig!
14. Mai 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
Dieses Video bietet einen Einblick in ein Fach, das mehr ist als ein pädagogisches Werkzeug. Ist Theater ein verkanntes Schulfach? Oder ein falsch verstandenes? Geht es um Argumente oder um ein anderes Bild, eine andere Gewichtung? Braucht unser Bildungssystem eine Reformation, hinsichtlich der Möglichkeiten alternativer Lernfelder? Kann man Schulfächer, Lernfelder, überhaupt gewichten? Was ist wichtig? Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung? Möglichkeiten zur intensiven Auseinandersetzung? Wie soll vermittelt werden? Wie ist es nachhaltig? Gruppenerfahrungen statt Frontalunterricht? Sozialkompetenz statt Faktenwissen? Darf man diese Fragen stellen?
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12. Lange Buchnacht in der OranienstraĂźe
13. Mai 2010 · von Lydia Dimitrow · 1 Kommentar
Ja, Berlin steht auf lange Nächte. Und ganz besonders eben auf lange Kulturnächte.
Schon zum 12. Mal widmeten Kreuzberger Buchhändler und Gastwirte eine ganze Nacht den Autoren, Kulturschaffenden der Welt – na ja, zumindest Deutschlands – und natĂĽrlich vor allem: dem Publikum. So konnte man am 8. Mai 2010 von 14.00-01.00 Uhr mit freiem Eintritt an rund 50 Orten diverse Lesungen, Präsentationen, Vorträge; Kulturveranstaltungen erleben, und dabei gleich das Kreuzberg rund um das Kottbusser Tor ein wenig näher kennen lernen. Denn die Orte waren vielfältig: von sämtlichen Kneipen und Bars in der OranienstraĂźe und unmittelbarer Umgebung, ĂĽber EiscafĂ©s und Kindergärten, Bibliotheken und BĂĽcherläden, Feuerwehrwagen und Kino bis hin zum Kreuzberg Museum und dem legendären SO 36 beteiligte sich wohl jeder Ort rund um die OraninestraĂźe, der auch nur annähernd Platz fĂĽr ein Publikum bieten könnte. So vielfältig wie die Veranstaltungsorte waren dann auch die Veranstaltungen selbst: Es gab Musik und Film, BĂĽchertausch und Bildpräsentationen, es lasen Autoren und auch ganze LesebĂĽhnen, Lyrik, Szenen, Geschichten, es wurde geslamt und gesungen, gezeigt und gefragt, signiert und gekauft. Man konnte viel Neues entdecken auf dieser langen Buchnacht, aber auch altbekannte Gesichter endlich mal wieder live sehen.
Aber – man musste zusammenrĂĽcken in dieser Nacht, mehr als einmal, denn nicht jede Kreuzberger Bar hat Platz fĂĽr mehr als fĂĽnfzig Gäste, auch nicht jeder Buchladen, und nicht immer reichte der Blick durch die Fensterscheibe. Trotzdem blieb man manchmal drauĂźen stehen, um eben doch etwas hören zu können, oder man stand zwischen Kuchenvitrine und Toilette, aber oft musste man auch einfach einen geplanten Programmpunkt von der Liste streichen, weil es absolut kein Reinkommen mehr gab. Dann hieĂź es: Spontan Sein und Weiterziehen. Und nichts fiel einem leichter auf dieser Buchnacht als dies, denn letztendlich gehörte auch dieses Weiterziehen, Umschwenken, Reinquetschen, Durch-TĂĽren-Hören zu den Dingen, die dieser langen Nacht ihren ganz besonderen Charme verliehen. Diesen familiären Rumpel-Charme, durch den sich niemand ausgeschlossen fĂĽhlt – auch wenn man manchmal einfach nicht mehr reingepasst hat. Es ist vor allem genau dieser Charme, dieses besondere GemeinschaftsgefĂĽhl mit Entdecker-und-Erlebnis-Hauch, der die 12. Lange Buchnacht in der OranienstraĂźe dann von anderen langen Nächten Berlins unterscheidet – und so sympathisch macht.
Vielleicht ist Charme auch das falsche Wort, vielleicht sollte man eher von einer ganz besonderen Magie sprechen, die dieser Abend hatte, eine Magie, die zum Beispiel im eis36 (AdalbertstraĂźe 96) zu spĂĽren war. Das EiscafĂ© regte mit seiner Aktion “My book ist your book and your book is mine!” zu einem ganz besonderen BĂĽchertausch an. Mybook anstelle von myspace. Da saĂź ein runzliger Flamenco-Gitarren-Opa unter einer Troddel-Stehlampe und spielte und sang, und wenn er nicht sang, dann rezitierte der Runzel-Opa neben ihm spanische Texte zu der Flamenco-Musik, während man seine alten oder ungeliebten oder doppelt vorhandenen BĂĽcher gegen neue Schätze tauschte. Schätze in allen möglichen Sprachen zu allen denkbaren Themen. Wenn das nicht magisch ist.
Wo wir schon bei 36 sind: Ein besondere Zufluchtsort wurde an diesem Abend übrigens das SO36 (Oranienstraße 190), das ob seiner Größe jeden Woanders-nicht-Reingekommenen noch aufnehmen konnte und mit seinem Fast-Ohne-Pausen-Programm auch einiges zu bieten hatte. So las dort zum Beispiel Knud Kohr aus seinem Roman In Cuxhaven, in denen Geschichten von Zahnspangendosen klauenden Jungs und Eierlikör trinkenden Tanten erzählt werden, Geschichten von Kindheit, von alten Versprechen, Heimkehr und natürlich auch von der Liebe, und das alles in manchmal komischen, manchmal ernsten Ton, aber immer wunderbar leicht und sehr unterhaltsam.
Auch unterhaltsam, aber weniger leicht ging es zu, als Barbara Yelin ihre Graphic Novel Gift (zusammen mit Peer Meter) in Wort und Bild im Comic-Laden Modern Graphics (OranienstraĂźe 22) vorstellte. Es geht in diesem historischen Roman im Comic-Gewand nämlich um die Giftmörderin Gesche Gottfried, die in Bremen Anfang des 19. Jahrhunderts 15 (!) Menschen mit Mäusebutter ermordet hat. Auch wenn die Zeichnerin sich selbst und diesen historischen Stoff nur allzu ernst nahm und zum Teil geradezu pedantisch Entstehungsumstände des Comic-Bands sowie historische HintergrĂĽnde referierte, konnte bei den Zuhörern trotzdem keine trĂĽbe Stimmung aufkommen; wie auch – wenn man neben gefĂĽhlten tausend anderen Besuchern auch noch von Barbapapa & Co. umgeben ist.
Absoluter Höhepunkt der langen Buchnacht war auch an Modern Graphics geknĂĽpft: Auf der StraĂźe, vor den Schaufenstern des Comicladen spielte um 24.00 Uhr OMP – das Orchestre Miniature in the Park. Und das unter strengen Vorgaben: Es wurden nur Kinderinstrumente benutzt (Kindergitarre, Kinderbass, Triola, Kinderschlagzeug, Kinderschellenreif, Kinderblockflöte, Kindersaxophon, Kinderxylophon…) und in allen gecoverten Songs mussten die Wörter “Sonne” oder “Sommer” vorkommen. Es war ein Fest! Mit besten Chorgesängen aller Barbershop, einem extrovertieren Frontsänger, engagierten Musikern trotz Kinderinstrumente und einem Repertoire von Cream bis Tocotronic rockte dieses OMP die Nacht – zum Mitsingen, zum Mittanzen. Dieser Sack voll Musiker boten den buchstäblichen krönenden Abschluss fĂĽr diese 12. lange Buchnacht.
Wer in diesem Jahr nicht dabei sein konnte – am 14. Mai 2011 wird die 13. lange Buchnacht in der OranienstraĂźe stattfinden. Wer dann nicht dabei sein kann – ist selber schuld. Denn diese lange Nacht wird sicher eine der schönsten Nächte des Jahres sein.
Lydia Dimitrow.
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Mord in Kreuzberg
11. Mai 2010 · von keinHamlet · 1 Kommentar
Tatzeit: Donnerstag zwischen 20 und 22Uhr.
Tatort: BKA Theater
Täter: Paternoster
Motiv: Volksbelustigung. MordArt
Wir steigen die Treppen, denn der Fahrstuhl ist langsam. Wir betreten den Saal. Links BĂĽhne, diverse Instrumente, ansonsten Schwarz. Rechts StĂĽhle, Tische und wir.
Improvisationstheaterkrimi.
Der Plot wird gestaltet vom Publikum. Fest steht, dass wir uns im alten Rom befinden. Mordarten können via Papyrus vorher gebracht werden, wird später durch ein Orakel gezogen.
Personen, Berufe, Opfer, Namen, Orte, Indizien werden durch den Willen des Volkes bestimmt.
Columbos Kurruptus ermittelt, denn Kaiser Titus Tinitus wurde erstochen in der Ziegenmilch Recyclinganlage gefunden.
Verdächtig sind Pupulus, der Jüngling am Hof, Nervia, die Schwiegermutter, Interrupta die Ausländische Sklavin. Stevus ist der Musiker, Wächter, Bote für alle Gelegenheiten.
Szenen aus dem Alltag des Kaisers, verrieten Motive, das Publikum rätselte, es gab eine Pressekonferenz, es gab Indizien, es gab einen Kampf in der Arena, es gab Affären, Schuldzuweisungen, ein kurzzeitig emanzipiertes Rom, „Wilde“ Tiere, musikalische Einlagen, blitzschnelle Reaktion… es war humorvoll, manchmal ironisch, zum selbst lachen, ĂĽber andere lachen, ĂĽber Skurilität lachen… eine verrĂĽckte und doch fesselnde Geschichte, voller Spannung, was als nächstes passiert.
Kann man nur weiter empfehlen. Ach und Curry 36, vor der TĂĽr. Lecker.
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Kurzfilm: Der Fischer oder Copy Shock
28. April 2010 · von Toast · Keine Kommentare
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2. Lange Nacht der Opern und Theater
13. April 2010 · von Lydia Dimitrow · Keine Kommentare
Letztes Jahr, letztes Jahr war es so schön, dass dieses Jahr alle noch mal wollten und noch mehr wollten, und so konnte man dann am 10. April 2010 die 2. Lange Nacht der Opern und Theater in Berlin erleben. Und? Es war wieder schön. So schön!
Man hatte die Auswahl zwischen 68 Bühnen auf acht verschiedenen Bus-Shuttle-Routen,  konnte die ganz großen Häuser besuchen, die kleinen und noch kleineren kennen lernen, und Berlin als Theater-Stadt neu entdecken. Das Programm umfasste von Theater, Tanz und Performance bis zu Konzert, Lesung und Mitmach-Angeboten wahrscheinlich alles, was man sich auf Bühnen so vorstellen kann. Was man dann davon tatsächlich in dieser Nacht erlebt hat, hat man entweder dem Zufall überlassen oder genauestens geplant oder beides, möglich war jedenfalls alles: mit Minuten-Zeitplänen zum Theaterglück oder sich einfach treiben lassen, mitnehmen lassen vom Dramastrom. Das Programm war vielfältig, sorgfältig zusammengestellt, übersichtlich aufgeführt im mit der Karte erhaltenen Programmheft, gut zu erschließen dank Shuttle-Service, und man hatte in dieser Nacht das Gefühl, dass alle so offen waren, nicht nur die Besucher für neue Erfahrungen und neue Orte, sondern auch die Veranstalter für neue Besucher und neue Möglichkeiten, stolz auf das eigene Haus und das eigene Programm, jedenfalls so offen… Freundliches Service-Personal überall, das einem das Programm und den Weg über Treppen in Säle erklärt hat, enthusiastische Moderatoren, sprühende Künstler. Dass die Nacht für alle Beteiligten lang war, war jedenfalls niemandem anzumerken. Da war nur dieses Gefühl von Offenheit und Gemeinsamkeit, im Foyer beim Warten, im Theatersaal beim Zugucken, in der U-Bahn beim Im-Programmheft-Blättern.
Ja, es war schön. Wenn eine ganze Stadt Theater atmet. Schade, dass es nicht jede Nacht so ist. So müssen wir bis zum nächsten Jahr warten. Aber das macht ja nichts, denn bis dahin haben wir wenigstens genug Zeit, um uns alles anzusehen, was wir am letzten Samstag nicht geschafft haben, und überall noch mal hinzugehen, wo es uns gefallen hat. Also ist es vielleicht doch ganz gut, dass die Lange Nacht der Opern und Theater nur einmal im Jahr stattfindet. Sonst wären wir ja nur noch im Theater.
Lydia Dimitrow
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Eine Lange Nacht der Opern und Theater…
13. April 2010 · von Lydia Dimitrow · Keine Kommentare
… eine von vielen.
19:00 THEATER AN DER PARKAUE: Staatsballett Berlin zu Gast im Theater an der Parkaue
Zuerst war man doch etwas verwirrt: Im Programm stand doch etwas von „Schneewittchen – mit den Mitteln des modernen Tanzes wird das alte Märchen neu erzählt“? Und wo war man da gelandet? Da waren keine Zwerge und kein Prinz, da war nur eine Frau in schlabbriger Kleidung mit Mikro vorm Mund, die ein paar Tänzern in Trainingskleidung Begriffe wie „Pas de Bourré“ und „Changement“ zurief und dabei selbst auch gleich mal mittanzte. Aufgeregtes Blättern im Programmheft: Ach, da stand es ja – „Lecture Demonstration mit Solisten und Corps de Ballet“. Was das Staatsballet einem da bot, war weniger ein Blick auf die Bühne, als ein Blick hinter die Kulissen. Und gerade das machte es dann auch so besonders. Die Frau mit dem Mikro vorm Mund konnte nämlich eine ganze Menge erklären: über die Beschaffenheit des Bodens, den Aufbau eines Trainings, die Schwierigkeiten und Freuden eines Balletttänzers und natürlich auch die einzelnen Bewegungen und Posen – und das alles sehr sympathisch und angenehm locker. Und Schneewittchen kam ja dann auch noch auf die Bühne – in Form einer öffentlichen Probe verschiedener Szenen, mal mit, mal ohne Musik, immer mit Erläuterungen, diesmal von einer anderen Dame, die das Ganze aber eben so informativ und sympathisch gestaltete wie die erste. Die Demonstration des Staatsballetts entpuppte sich als Highlight für alle Freunde oder auch Noch-nicht-Kenner des Balletts und machte Lust auf mehr. Und wenn man jetzt das nächste Mal in einem Ballett sitzt, hat man bestimmt noch die beiden Damen im Ohr – und fühlt sich ein bisschen wie ein Insider.
21:00 THEATER AM POTSADAMER PLATZ: Dirty Dancing
Die schönsten Szenen aus Dirty Dancing sollten einem da geboten werden. Und das wurden sie auch: Von der Wassermelonen-Szene über das erste Tanz-Training bis zur legendären „Mein Baby gehört zu mir“-Stelle war alles dabei. Und hinterließ nichts als den einen Gedanken: Da guckt man sich lieber den Film an. Denn auf dieser Bühne wurden einem lieblose, hektische und viel zu überladene Choreographien geboten, uninteressante Bühnenbilder, mittelmäßige Sänger und kaum zu ertragene Schauspieler. Übertreibung und Überspitzung, bis kein Quäntchen Natürlichkeit mehr übrig bleibt, bis nichts mehr authentisch oder echt wirkt, bis nichts mehr berührt. Da bleibt man lieber bei Patrick und Jennifer und auf dem heimischen Sofa.
22:00 SOPHIENSAELE: Die längste Nacht mit Turbo Pascal
Wer noch nie in den Sophiensälen war, der musste sich an diesem Abend einfach verlieben. In den rau-romantischen, provisorischen Charme dieses Aufführungsortes, des historischen Gemäuers des ehemaligen Handwerkervereinshauses in der Sophienstraße. Die Performance-Gruppe Turbo Pascal leitete ihr Programm auch gleich mit einer grüppchenweisen Führung durch den Festsaal ein. Da wurden einem die Notausgänge erklärt, schließlich ist hier alles aus Holz, und wenn der Mob einmal in Bewegung ist… Da wurde einem erklärt, an welchem Punkt der Gegenwart wir uns befinden, und was sich von da entwickeln kann, dann wurde man platziert. Und weiter geht die Performance. Das Programmheft versprach: „Turbo Pascal erfindet unterschiedliche Szenarien für eine lange Nacht im Festsaal der Sophiensäle oder unterwegs in Berlin: düstere, romantische oder revolutionäre Szenarien, die man am nächsten Morgen wieder vergessen möchte oder auch nicht.“ Düster wurde es tatsächlich, nämlich in Form eines vorgetäuschten Stromausfalls im Festsaal, Romantik kam aber irgendwie so gar nicht auf (trotz Dunkelheit), und von Revolution oder revolutionärem Lüftchen möchte man dann auch nicht reden. Das Szenario, das Turbo Pascal da erfand, war dann das folgende: Stromausfall, auweia, können wir jetzt gar nicht raus aus dem Festsaal (dieser Zusammenhang blieb übrigens so vage, wie er jetzt erscheint), müssen wir schnell Licht mit unseren Handys machen und Essen einsammeln und Trinken, hui ist das lustig, dann lesen wir noch aus einem Buch einer Zuschauerin, damit es beim Kulturprogramm bleibt, dann geht das Licht wieder an und alle werden entlassen, hui ist das lustig. Was ist Performance? Eine gute Performance bringt die Zuschauer aus dem Konzept, lässt sie sich unsicher und unwohl fühlen, bindet sie so ein, dass sie sich nicht entziehen können, lässt sie durcheinander geschüttelt und im besten Fall aufgerüttelt zurückbleiben – auf jeden Fall nachdenklich. Bei dieser Performance von Turbo Pascal war allerdings alles so vorhersehbar, so unaufregend, so allbekannt – es ließ einen schlichtweg kalt. Das war eine ganz nette Comedy-Performance, einigermaßen unterhaltsam, aber am Ende doch – belanglos.
23:30 KOMISCHE OPER BERLIN: Die schönsten Operntode II
Ja, die Komische Oper kommt in letzter Zeit auf diesem Blog wohl immer gut weg, und so auch in diesem Beitrag: Es war ein Highlight. Die Solisten Erika Roos (Sopran), Jan Martinik (Bass) und David Williams (Bariton) präsentierten ihre Lieblingsarien zum Thema Tod zu einer Klavierbegleitung und sympathisch altmodischen Bühnenbild mit Sarg, Schädel und Kerzen, bevor Erika Roos und Jan Martinik zusammen mit Adrian Strooper und Elisabeth Starzinger noch einen Part aus Mozarts Requiem sangen. Durch den Abend führte ein freundlich enthusiastischer Moderator, der neben Informationen zu Werken und Sängern auch einige Kalauer parat hatte, und den Abend auf den Punkt brachte: „Nirgendwo wird so schön gestorben wie in der Oper.“ Nein, nirgendwo. Denn tatsächlich gestorben ist an diesem Abend nur Erika Roos (David Williams besang zum Beispiel Papagenos halbherzige Selbstmorddrohungen, die ja dann durch das unverhoffte Auftauchen Papagenas zerschlagen werden), und das war tatsächlich unbeschreiblich schön. So einen Sopran hört man wohl selten auf den Berliner Bühnen: Sie sang so klar, so sauber, dabei aber so unverkrampft und locker-leicht, wie es sein sollte. Da wurde kein Ton gequetscht, herausgepresst, nichts, wirklich nichts war von all der Anstrengung zu hören, die es kostet, solche Höhen zu erreichen, wie sie Erika Roos an diesem Abend erreicht hat: Es war einer meiner schönsten Opern-Momente. Wenn es Menschen gibt, die in der Oper weinen müssen, weil es so schön ist – an diesem Abend konnte man sie verstehen. So saß man mit aufgestellten Arm- und Nackenhaaren in den Opernsessel verkrampft und wollte, dass es nie, nie aufhört, dass sie nie, nie stirbt diese wunderbare Sopranistin, dass sie immer weitersingt, dass diese Lange Nacht zur längsten aller Nächte wird – man wurde enttäuscht. Irgendwann erdolchte sie sich selbst. Um dann für tosenden Applaus wieder aufzuerstehen. Ein Applaus, der vielleicht nicht nur diesen Arien in der Komischen Oper galt – sondern einer ganzen Langen Nacht.
Lydia Dimitrow
Alles zur 2. Langen Nacht der Opern und Theater findet man hier.
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Der Amoklauf in der Box
9. April 2010 · von Lydia Dimitrow · Keine Kommentare
Amoklauf mein Kinderspiel (Thomas Freyer) am 06.04.10 in der Box des Deutschen Theater. Regie: Felicitas Brucker.
Drei Jugendliche, die keine Namen haben, aber Geschichten.  Geschichten und – Rollen. Jeder ist mal jemand Anderes: die Mutter, der Vater, die andere Mutter, der Schulhausmeister, der Lehrer, die Direktorin. Man erzählt seine Geschichte, indem man in Rollen schlüpft, die anderen auf der Bühne in Rollen schlüpfen lässt, indem man einen Hauskittel anzieht, eine Gitarre in die Hand nimmt, einen Apfel wirft. Nichts ist statisch, nichts ist fest, alles ist Spiel. Ernstes Spiel. Denn da auf der Bühne geht es um Überdruss, um Verlorenheit und Suche, um Auflehnung und Resignation; es geht um Kotzen nach dem Essen, Gewalt gegen andere, Gewalt gegen sich selbst – eine Scherbe durchtrennt die Haut am Knie: „Das Blut ist warm, wie Haut unter der Decke.“
Wie eine Scherbe, die Haut durchtrennt, kommt einem auch der Text von Thomas Freyer vor. Es gibt kein Entrinnen, man kann sich nicht entziehen – nicht dieser sehr genauen Sprache, die immer an der richtigen Stelle ansetzt, nicht ihrer ganzen Brutalität, der Wucht, mit der der Zuschauer von ihr, von dem Stück getroffen wird. Amoklauf mein Kinderspiel ist kein angenehmes Stück. Man fühlt sich nicht wohl, keine Minute. Man möchte die Augen schließen, vielleicht noch viel lieber die Ohren, man möchte alles stoppen, nicht wissen, wo es hinführt, nicht wissen, wie es dazu kam. Das Spielerische, das Leichte kommt einem so unpassend vor in Anbetracht der fast schon grausigen Verlorenheit der Figuren, dass man es kaum aushält. Die Verspieltheit zieht einem den Boden unter den Füßen weg, weil sie genau eins nicht erlaubt: Betroffenheit. Und ist Betroffenheit nicht das, was wir bei einem Amoklauf vor allem empfinden, empfinden wollen? Vielleicht auch noch Wut. Aber bei diesem Stück kommt keine Wut auf, auch kein Mitleid, nicht für die drei Jugendlichen, nicht für ihre Eltern, nicht für die Lehrer. Denn man kennt diese Jugendlichen. Die ein Hakenkreuz an die Schulmauer schmieren. Die heute keinen Hunger haben. Die Angst vor Mathe haben. Und man kennt auch diese Eltern, die fragen: „Was ist denn los?“, die Handtücher im OTTO-Katalog bestellen, die heute Abend mal wieder fernsehen. Und wir kennen diese Lehrer, ihre Ratschläge, ihre Ermahnungen. Und genau deswegen wird es einem in diesem Stück so oft so mulmig zumute: Weil man so viel von dem, was da auf der Bühne erzählt wird, kennt. Und es dadurch so nah ist.
Das ist eine der großen Stärken des Stücks: Die Figuren, ihre Sprache wirken authentisch und sind trotzdem in hohem Maße durchkonstruiert und poetisch. Dass das aber so deutlich wird, dass jedes Wort trifft, ist an diesem Abend vor allem den Spielern (Gabór Biedermann, Olivia Gräser und Ole Lagerpusch) zu verdanken. Sie arbeiten den Text heraus in seiner ganzen Klarheit, in seiner ganzen Scherbenschärfe und spielen wunderbar leicht miteinander, ihren vielen Rollen und all den Requisiten, die sich in der übermächtig scheinenden Schrankwand verbergen. Von den Spielern werden sie zutage gefördert, jedesmal wie zufällig, und dann fliegen die Äpfel, die Ordner, die Schals.
Gabór Biedermann und Olivia Gräser machen ihre Sache gut, wenn sie schreien oder flüstern oder singen. Man nimmt ihnen ab, was sie da verkörpern, ohne zu zögern. Aber Ole Lagerpusch nimmt man nichts ab – keinen Moment zweifelt man daran, dass er all das IST, was er da darstellt. Selten sieht man auf den Berliner Theaterbühnen einen Schauspieler, der so schnell, so überzeugend seinen Ausdruck wechseln kann, der mit seiner Mimik arbeitet, als sei sie Knete, dem die Augen zucken können, die Hände, dann wieder lacht der die Zuschauer aus, Selbstsicherheit in seinem Blick, in seiner Haltung: Er IST jede Nuance seiner Rollen, in die er von einer Minute zur anderen schlüpfen kann. Wenn die Box des DT nicht so intim wäre, man wäre beim Schlussapplaus aufgesprungen und hätte geschrien: Bravo!
Wenn die Box des DT nicht so intim wäre. Und wenn einem nach diesem Stück das Schlucken nicht so schwerfiele.
Lydia Dimitrow
Alle Infos zum StĂĽck und weitere Termine findet man hier.
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Amoklauf mein Kinderspiel – DT Box
9. April 2010 · von keinHamlet · Keine Kommentare
Noch ist das Blatt leer. Gedanken, an einen Abend in der Box vom DT, an 3 Schauspieler, die einem Text leben gaben, füllen langsam meinen Kopf. Viel könnte ich schreiben, wenig werde ich, so viel steht fest.
Zeit, MuĂźe und Gedanken an andere Dinge sind in meinem Kopf. Das Highlight, war Ole Lagerpusch, der mich auch als Jago schon fesselte. Ihm gelang es wieder mich zu begeistern und mit hinein zu nehmen in GefĂĽhle und traurige Geschichten.
Die Handlung von Thomas Freyers StĂĽck “Amoklauf mein Kinderspiel” war mir bekannt. Beim TTJ 09 durfte ich mich schon einmal schocken lassen. “Man darf sich nicht beklagen, man lebt.” ist bis heute in meinem Ohr. Jetzt wieder präsenter. Gravierende Unterschiede sind natĂĽrlich, das alter der Darsteller und das Inszenierung “Konzept” gewesen. Drei Schauspieler, geschliffener, exakter Text, der einem Schauer auf den RĂĽcken jagte… Bedrohung, die sich durch explodierende Ă„pfel, fliegende Ordner und Strichmännchenprojektionen herstellte. Die nummerierten Gewaltgeschichten fĂĽhrten zum unbarmherzige Todeslauf, wobei weniger Kausalität relevant war, sondern sich eher das GefĂĽhl des Auswegslosigkeit und Benommenheit herstellte. Die Frage nach dem „warum“ ist immer da, schnell finden wir viele Schuldige, viele Antworten, aber wir bleiben dann dabei stehen und gehen weiter, ohne etwas zu verändern. Dieses StĂĽck bricht ein unheilvolles Schweigen und kann der Auftakt einer gesellschaftlichen Diskussion sein.
Leider habe ich das GefĂĽhl, es ist in unserer medialisierte Welt, oft jeder zu eingenommen sich noch zu unterhalten, oder wir fĂĽhlen uns den Gegebenheiten gegenĂĽber machtlos. (“Man darf sich nicht beklagen, man lebt.”)
Wo sollen wir den Hebel ansetzen?
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