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	<title>KeinDrama &#187; Berlin</title>
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	<description>Es gibt kein Leben neben Theater.</description>
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		<title>Hedda Gabler in der Schaubühne</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 22:08:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hedda Gabler ist eine echte Inkarnation des Bösen. Und ist es nicht interessant: Wann immer man auf eine solche in weiblicher Form stößt, sei es in der Literatur, im Film, im Theater, so ist es doch meistens eine, die der vollen Weiblichkeit entspricht – falls es so etwas überhaupt gibt –, die ihre erotischen Reize [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hedda Gabler ist eine echte Inkarnation des Bösen. Und ist es nicht interessant: Wann immer man auf eine solche in weiblicher Form stößt, sei es in der Literatur, im Film, im Theater, so ist es doch meistens eine, die der vollen Weiblichkeit entspricht – falls es so etwas überhaupt gibt –, die ihre erotischen Reize zur Waffe macht, immer oszillierend zwischen Eros und Thanatos. Gefährlich und sexy. Oder: Gefährlich, weil sexy. So sind die weiblichen Bösen der Kulturgeschichte.</p>
<p>Erfrischend spröde dagegen erscheint dem Zuschauer die Hedda Gabler der Schaubühne. Katharina Schüttler hat alles Warme – und eben auch alles Heiße – aus ihrer Figur verbannt: Sie ist die Inkarnation des Bösen, weil sie mit jeder Faser ihres Körpers Kühle, Härte und Gleichgültigkeit gegen andere verkörpert – und das selbst beim Anbandeln mit dem Anwalt ihres Mannes, bei der Wiederbegegnung mit ihrem Früher-mal-Geliebtem. Sie scheint resistent gegen die Gefühle und Schicksale ihrer Mitmenschen, kann weder für Mann noch potentiellen Geliebten noch Freundin Mitleid aufbringen.  </p>
<p>In charmanten Gegensatz zu ihr setzt sich gekonnt Lars Eidinger, der als Heddas Mann seine Figur die volle Harmlosigkeit verkörpern lässt. Jörgen Gabler, ein aufstrebender Historiker mit Professuraussicht, ist ich-bezogen und verblendet; obwohl seine ganze Sorge seiner Frau, ihrem Wohlbefinden und der gemeinsamen Zukunft gilt, ist er doch nicht in der Lage, Heddas wahren Charakter und ihre wahren Bedürfnisse zu erkennen. Er jagt Idealbildern nach, hält Illusionen aufrecht, ohne Sinn für die Realität, ohne zu merken, dass seine Ehe auf Lügen aufgebaut ist. Und dabei spielt Eidinger diesen Jörgen so wunderbar naiv, unendlich unbedarft, unendlich gutherzig.</p>
<p>Trotz dieser eindeutig scheinenden Sympathieverteilung gelingt es Regisseur Thomas Ostermeier in seiner klugen Inszenierung, das Gleichgewicht zu halten. Er macht dem Zuschauer das Urteilen schwer, denn in diesem Stück von Henrik Ibsen trägt jede Figur eine Teilschuld. Sie alle leben in ihren Scheinwelten mit ihren Scheinwahrheiten, belügen sich selbst und benutzen andere, um ihre Lügen aufrecht erhalten zu können. Sie schaffen Abhängigkeiten, um sich selbst Konsistenz zu geben. Es geht um Macht und um die Frage nach Aufrichtigkeit.</p>
<p>Den Darstellern gelingt es sehr gut, diese Themen herauszukristallisieren und den Text immer wieder stärker zu spielen, als er in dieser furchtbaren und unpassend modernisierten Fassung, die die Schaubühne präsentiert, eigentlich ist. Man sieht den Figuren dabei zu, wie sie einander und sich selbst zugrunde richten, und das zu lakonischer Beach-Boys-Musik: „I may not alwyas love you/ but long as there are stars above you“. Und: „God only knows, what I’d be without you.“</p>
<p>Zum Schluss weiß auch der Zuschauer, what he&#8217;d be without her: Hedda erschießt sich, Jörgen bleibt zurück. Die Inszenierung unterstellt: mit altem Freund und alter Tante, vielversprechendem Buchprojekt und neuer Freundin in Aussicht. Das wirkt frech sarkastisch in Anbetracht dessen, was in den letzten zwei Stunden da auf dieser wunderbaren Drehbühne mit Spiegeleinsatz und Videoprojektionen alles kaputt gegangen ist. In Beziehungen. In Menschen. Aber vielleicht – ist es ja im wirklichen Leben manchmal tatsächlich so.</p>
<p>Lydia Dimitrow</p>
<p>&#8220;Hedda Gabler&#8221; in der Schaubühne am Lehniner Platz. Gesehen am 05.06.10. Weitere Infornationen <a href="http://www.schaubuehne.de/de_DE/program/repertoire/9411">hier</a>.</p>
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		<title>Morgen, Kinder &#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 16:26:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>keinHamlet</dc:creator>
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		<description><![CDATA[wirds was geben&#8230; nämlich die FZ #1. Morgen beginnt das 31. ttj, DAS Theatertreffen der Jugend. Die Wabe hat ihre Festival Form eingenommen (wabig), die Fassbrause schmeckt schon. Ich habe mich als Fan geoutet und bin dieses Jahr (wieder) dabei. Diesmal nicht auf der Bühne, sondern an der Tastatur. Es warten 8 Gruppen, junger, ambitionierter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">wirds was geben&#8230; nämlich die FZ #1. Morgen beginnt das 31. ttj, <a href="http://berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/04_theatertreffen_der_jugend/ttdj_start.php">DAS Theatertreffen der Jugend</a>. Die Wabe hat ihre Festival Form eingenommen (wabig), die Fassbrause schmeckt schon. Ich habe mich als Fan geoutet und bin dieses Jahr (wieder) dabei. Diesmal nicht auf der Bühne, sondern an der Tastatur. Es warten 8 Gruppen, junger, ambitionierter Menschen, die in 9 Tagen Festival viel zeigen, sehen, lernen, erleben, essen, lachen und wenig schlafen.<br />
Hier lang zum Blog&#8230; <a href="http://blog.theatertreffen-der-jugend.de/random-noise/buhne-ist-wo-du-bist-ein-essay-zum-festivalstart/">wo Khesrau ab Samstag auch vom Festival bloggen wird.</a></p>
<p style="text-align: justify;">
<p style="text-align: justify;"><img class="alignnone" title="1. FZ Sitzung" src="/wp-content/uploads/FZ11.jpg" alt="FZ Planung 1. Ausgabe" width="500" height="360" /></p>
<p style="text-align: justify;">(der zeitnahe Leser merkt, ich bin einen Tag zu spät. heute war etwas Zeitdruck)</p>
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		<title>12. Lange Buchnacht in der Oranienstraße</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2010 22:33:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bericht]]></category>
		<category><![CDATA[Auftritt]]></category>
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		<description><![CDATA[Ja, Berlin steht auf lange Nächte. Und ganz besonders eben auf lange Kulturnächte.
Schon zum 12. Mal widmeten Kreuzberger Buchhändler und Gastwirte eine ganze Nacht den Autoren, Kulturschaffenden der Welt &#8211; na ja, zumindest Deutschlands &#8211; und natürlich vor allem: dem Publikum. So konnte man am 8. Mai 2010 von 14.00-01.00 Uhr mit freiem Eintritt an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ja, Berlin steht auf lange Nächte. Und ganz besonders eben auf lange Kulturnächte.</p>
<p>Schon zum 12. Mal widmeten Kreuzberger Buchhändler und Gastwirte eine ganze Nacht den Autoren, Kulturschaffenden der Welt &#8211; na ja, zumindest Deutschlands &#8211; und natürlich vor allem: dem Publikum. So konnte man am <strong>8. Mai 2010</strong> von 14.00-01.00 Uhr mit freiem Eintritt an rund 50 Orten diverse Lesungen, Präsentationen, Vorträge; Kulturveranstaltungen erleben, und dabei gleich das Kreuzberg rund um das Kottbusser Tor ein wenig näher kennen lernen. Denn die Orte waren vielfältig: von sämtlichen Kneipen und Bars in der Oranienstraße und unmittelbarer Umgebung, über Eiscafés und Kindergärten, Bibliotheken und Bücherläden, Feuerwehrwagen und Kino bis hin zum Kreuzberg Museum und dem legendären SO 36 beteiligte sich wohl jeder Ort rund um die Oraninestraße, der auch nur annähernd Platz für ein Publikum bieten <em>könnte</em>. So vielfältig wie die Veranstaltungsorte waren dann auch die Veranstaltungen selbst: Es gab Musik und Film, Büchertausch und Bildpräsentationen, es lasen Autoren und auch ganze Lesebühnen, Lyrik, Szenen, Geschichten, es wurde geslamt und gesungen, gezeigt und gefragt, signiert und gekauft. Man konnte viel Neues entdecken auf dieser langen Buchnacht, aber auch altbekannte Gesichter endlich mal wieder live sehen.</p>
<p>Aber &#8211; man musste zusammenrücken in dieser Nacht, mehr als einmal, denn nicht jede Kreuzberger Bar hat Platz für mehr als fünfzig Gäste, auch nicht jeder Buchladen, und nicht immer reichte der Blick durch die Fensterscheibe. Trotzdem blieb man manchmal draußen stehen, um eben doch etwas hören zu können, oder man stand zwischen Kuchenvitrine und Toilette, aber oft musste man auch einfach einen geplanten Programmpunkt von der Liste streichen, weil es absolut kein Reinkommen mehr gab. Dann hieß es: Spontan Sein und Weiterziehen. Und nichts fiel einem leichter auf dieser Buchnacht als dies, denn letztendlich gehörte auch dieses Weiterziehen, Umschwenken, Reinquetschen, Durch-Türen-Hören zu den Dingen, die dieser langen Nacht ihren ganz besonderen Charme verliehen. Diesen familiären Rumpel-Charme, durch den sich niemand ausgeschlossen fühlt &#8211; auch wenn man manchmal einfach nicht mehr reingepasst hat. Es ist vor allem genau dieser Charme, dieses besondere Gemeinschaftsgefühl mit Entdecker-und-Erlebnis-Hauch, der die <strong>12. Lange Buchnacht in der Oranienstraße</strong> dann von anderen langen Nächten Berlins unterscheidet &#8211; und so sympathisch macht.</p>
<p>Vielleicht ist Charme auch das falsche Wort, vielleicht sollte man eher von einer ganz besonderen Magie sprechen, die dieser Abend hatte, eine Magie, die zum Beispiel im <strong>eis36</strong> (Adalbertstraße 96) zu spüren war. Das Eiscafé regte mit seiner Aktion &#8220;My book ist your book and your book is mine!&#8221; zu einem ganz besonderen Büchertausch an. Mybook anstelle von myspace. Da saß ein runzliger Flamenco-Gitarren-Opa unter einer Troddel-Stehlampe und spielte und sang, und wenn er nicht sang, dann rezitierte der Runzel-Opa neben ihm spanische Texte zu der Flamenco-Musik, während man seine alten oder ungeliebten oder doppelt vorhandenen Bücher gegen neue Schätze tauschte. Schätze in allen möglichen Sprachen zu allen denkbaren Themen. Wenn das nicht magisch ist.</p>
<p>Wo wir schon bei 36 sind: Ein besondere Zufluchtsort wurde an diesem Abend übrigens das <strong>SO36 </strong>(Oranienstraße 190), das ob seiner Größe jeden Woanders-nicht-Reingekommenen noch aufnehmen konnte und mit seinem Fast-Ohne-Pausen-Programm auch einiges zu bieten hatte. So las dort zum Beispiel <strong><a href="http://www.verbrecherverlag.de/autor/62">Knud Kohr</a></strong> aus seinem Roman <em>In Cuxhaven</em>, in denen Geschichten von Zahnspangendosen klauenden Jungs und Eierlikör trinkenden Tanten erzählt werden, Geschichten von Kindheit, von alten Versprechen, Heimkehr und natürlich auch von der Liebe, und das alles in manchmal komischen, manchmal ernsten Ton, aber immer wunderbar leicht und sehr unterhaltsam.</p>
<p>Auch unterhaltsam, aber weniger leicht ging es zu, als <strong><a href="http://www.barbarayelin.de/">Barbara Yelin</a></strong> ihre Graphic Novel <em>Gift</em> (zusammen mit <strong>Peer Meter</strong>) in Wort und Bild im Comic-Laden <strong>Modern Graphics</strong> (Oranienstraße 22) vorstellte. Es geht in diesem historischen Roman im Comic-Gewand nämlich um die Giftmörderin Gesche Gottfried, die in Bremen Anfang des 19. Jahrhunderts 15 (!) Menschen mit Mäusebutter ermordet hat. Auch wenn die Zeichnerin sich selbst und diesen historischen Stoff nur allzu ernst nahm und zum Teil geradezu pedantisch Entstehungsumstände des Comic-Bands sowie historische Hintergründe referierte, konnte bei den Zuhörern trotzdem keine trübe Stimmung aufkommen; wie auch &#8211; wenn man neben gefühlten tausend anderen Besuchern auch noch von Barbapapa &amp; Co. umgeben ist.</p>
<p>Absoluter Höhepunkt der langen Buchnacht war auch an <em>Modern Graphics</em> geknüpft: Auf der Straße, vor den Schaufenstern des Comicladen spielte um 24.00 Uhr <a href="http://www.myspace.com/orchestreminiatureinthepark"><strong>OMP &#8211; das Orchestre Miniature in the Park</strong></a>. Und das unter strengen Vorgaben: Es wurden nur Kinderinstrumente benutzt (Kindergitarre, Kinderbass, Triola, Kinderschlagzeug, Kinderschellenreif, Kinderblockflöte, Kindersaxophon, Kinderxylophon&#8230;) und in allen gecoverten Songs mussten die Wörter &#8220;Sonne&#8221; oder &#8220;Sommer&#8221; vorkommen. Es war ein Fest! Mit besten Chorgesängen aller Barbershop, einem extrovertieren Frontsänger, engagierten Musikern trotz Kinderinstrumente und einem Repertoire von Cream bis Tocotronic rockte dieses OMP die Nacht &#8211; zum Mitsingen, zum Mittanzen. Dieser Sack voll Musiker boten den buchstäblichen krönenden Abschluss für diese 12. lange Buchnacht.</p>
<p>Wer in diesem Jahr nicht dabei sein konnte &#8211; am 14. Mai 2011 wird die <a href="http://www.lange-buchnacht.de/index.html">13. lange Buchnacht in der Oranienstraße </a>stattfinden. Wer dann nicht dabei sein kann &#8211; ist selber schuld. Denn diese lange Nacht wird sicher eine der schönsten Nächte des Jahres sein.</p>
<p>Lydia Dimitrow.</p>
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		<title>2. Lange Nacht der Opern und Theater</title>
		<link>http://keindrama.net/2010/04/13/2-lange-nacht-der-opern-und-theater/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 12:40:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Letztes Jahr, letztes Jahr war es so schön, dass dieses Jahr alle noch mal wollten und noch mehr wollten, und so konnte man dann am 10. April 2010 die 2. Lange Nacht der Opern und Theater in Berlin erleben. Und? Es war wieder schön. So schön!
Man hatte die Auswahl zwischen 68 Bühnen auf acht verschiedenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztes Jahr, letztes Jahr war es so schön, dass dieses Jahr alle noch mal wollten und noch mehr wollten, und so konnte man dann am 10. April 2010 die <strong><a href="http://web1.heimat.de/theaternacht-berlin/index.php">2. Lange Nacht der Opern und Theater</a></strong> in Berlin erleben. Und? Es war wieder schön. So schön!</p>
<p>Man hatte die Auswahl zwischen 68 Bühnen auf acht verschiedenen Bus-Shuttle-Routen,  konnte die ganz großen Häuser besuchen, die kleinen und noch kleineren kennen lernen, und Berlin als Theater-Stadt neu entdecken. Das Programm umfasste von Theater, Tanz und Performance bis zu Konzert, Lesung und Mitmach-Angeboten wahrscheinlich alles, was man sich auf Bühnen so vorstellen kann. Was man dann davon tatsächlich in dieser Nacht erlebt hat, hat man entweder dem Zufall überlassen oder genauestens geplant oder beides, möglich war jedenfalls alles: mit Minuten-Zeitplänen zum Theaterglück oder sich einfach treiben lassen, mitnehmen lassen vom Dramastrom. Das Programm war vielfältig, sorgfältig zusammengestellt, übersichtlich aufgeführt im mit der Karte erhaltenen Programmheft, gut zu erschließen dank Shuttle-Service, und man hatte in dieser Nacht das Gefühl, dass alle so offen waren, nicht nur die Besucher für neue Erfahrungen und neue Orte, sondern auch die Veranstalter für neue Besucher und neue Möglichkeiten, stolz auf das eigene Haus und das eigene Programm, jedenfalls so offen… Freundliches Service-Personal überall, das einem das Programm  und den Weg über Treppen in Säle erklärt hat, enthusiastische Moderatoren, sprühende Künstler. Dass die Nacht für alle Beteiligten lang war, war jedenfalls niemandem anzumerken. Da war nur dieses Gefühl von Offenheit und Gemeinsamkeit, im Foyer beim Warten, im Theatersaal beim Zugucken, in der U-Bahn beim Im-Programmheft-Blättern.</p>
<p>Ja, es war schön. Wenn eine ganze Stadt Theater atmet. Schade, dass es nicht jede Nacht so ist. So müssen wir bis zum nächsten Jahr warten. Aber das macht ja nichts, denn bis dahin haben wir wenigstens genug Zeit, um uns alles anzusehen, was wir am letzten Samstag nicht geschafft haben, und überall noch mal hinzugehen, wo es uns gefallen hat. Also ist es vielleicht doch ganz gut, dass die Lange Nacht der Opern und Theater nur einmal im Jahr stattfindet. Sonst wären wir ja nur noch im Theater.</p>
<p>Lydia Dimitrow</p>
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		<title>Eine Lange Nacht der Opern und Theater&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 12:33:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; eine von vielen.
19:00 THEATER AN DER PARKAUE: Staatsballett Berlin zu Gast im Theater an der Parkaue
Zuerst war man doch etwas verwirrt: Im Programm stand doch etwas von „Schneewittchen – mit den Mitteln des modernen Tanzes wird das alte Märchen neu erzählt“? Und wo war man da gelandet? Da waren keine Zwerge und kein Prinz, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; eine von vielen.</p>
<p><strong>19:00 THEATER AN DER PARKAUE:<a href="http://www.staatsballett-berlin.de/home2/index.php"> Staatsballett Berlin</a> zu Gast im <a href="http://www.parkaue.de/">Theater an der Parkaue</a></strong></p>
<p>Zuerst war man doch etwas verwirrt: Im Programm stand doch etwas von „<em>Schneewittchen</em> – mit den Mitteln des modernen Tanzes wird das alte Märchen neu erzählt“? Und wo war man da gelandet? Da waren keine Zwerge und kein Prinz, da war nur eine Frau in schlabbriger Kleidung mit Mikro vorm Mund, die ein paar Tänzern in Trainingskleidung Begriffe wie „Pas de Bourré“ und „Changement“ zurief und dabei selbst auch gleich mal mittanzte. Aufgeregtes Blättern im Programmheft: Ach, da stand es ja – „Lecture Demonstration mit Solisten und Corps de Ballet“. Was das <strong>Staatsballet</strong> einem da bot, war weniger ein Blick auf die Bühne, als ein Blick hinter die Kulissen. Und gerade das machte es dann auch so besonders. Die Frau mit dem Mikro vorm Mund konnte nämlich eine ganze Menge erklären: über die Beschaffenheit des Bodens, den Aufbau eines Trainings, die Schwierigkeiten und Freuden eines Balletttänzers und natürlich auch die einzelnen Bewegungen und Posen – und das alles sehr sympathisch und angenehm locker. Und <em>Schneewittchen</em> kam ja dann auch noch auf die Bühne – in Form einer öffentlichen Probe verschiedener Szenen, mal mit, mal ohne Musik, immer mit Erläuterungen, diesmal von einer anderen Dame, die das Ganze aber eben so informativ und sympathisch gestaltete wie die erste. Die Demonstration des Staatsballetts entpuppte sich als Highlight für alle Freunde oder auch Noch-nicht-Kenner des Balletts und machte Lust auf mehr. Und wenn man jetzt das nächste Mal in einem Ballett sitzt, hat man bestimmt noch die beiden Damen im Ohr – und fühlt sich ein bisschen wie ein Insider.</p>
<p><strong>21:00 <a href="http://www.stage-entertainment.de/">THEATER AM POTSADAMER PLATZ</a>: Dirty Dancing</strong></p>
<p>Die schönsten Szenen aus<em> Dirty Dancing</em> sollten einem da geboten werden. Und das wurden sie auch: Von der Wassermelonen-Szene über das erste Tanz-Training bis zur legendären „Mein Baby gehört zu mir“-Stelle war alles dabei. Und hinterließ nichts als den einen Gedanken: Da guckt man sich lieber den Film an. Denn auf dieser Bühne wurden einem lieblose, hektische und viel zu überladene Choreographien geboten, uninteressante Bühnenbilder, mittelmäßige Sänger und kaum zu ertragene Schauspieler. Übertreibung und Überspitzung, bis kein Quäntchen Natürlichkeit mehr übrig bleibt, bis nichts mehr authentisch oder echt wirkt, bis nichts mehr berührt. Da bleibt man lieber bei Patrick und Jennifer und auf dem heimischen Sofa.</p>
<p><strong>22:00 SOPHIENSAELE: Die längste Nacht mit Turbo Pascal</strong></p>
<p>Wer noch nie in den <a href="http://www.sophiensaele.com/"><strong>Sophiensälen</strong> </a>war, der musste sich an diesem Abend einfach verlieben. In den rau-romantischen, provisorischen Charme dieses Aufführungsortes, des historischen Gemäuers des ehemaligen Handwerkervereinshauses in der Sophienstraße. Die Performance-Gruppe <strong>Turbo Pascal</strong> leitete ihr Programm auch gleich mit einer grüppchenweisen Führung durch den Festsaal ein. Da wurden einem die Notausgänge erklärt, schließlich ist hier alles aus Holz, und wenn der Mob einmal in Bewegung ist… Da wurde einem erklärt, an welchem Punkt der Gegenwart wir uns befinden, und was sich von da entwickeln kann, dann wurde man platziert. Und weiter geht die Performance. Das Programmheft versprach: „<em>Turbo Pascal</em> erfindet unterschiedliche Szenarien für eine lange Nacht im Festsaal der Sophiensäle oder unterwegs in Berlin: düstere, romantische oder revolutionäre Szenarien, die man am nächsten Morgen wieder vergessen möchte oder auch nicht.“ Düster wurde es tatsächlich, nämlich in Form eines vorgetäuschten Stromausfalls im Festsaal, Romantik kam aber irgendwie so gar nicht auf (trotz Dunkelheit), und von Revolution oder revolutionärem Lüftchen möchte man dann auch nicht reden. Das Szenario, das <em>Turbo Pascal</em> da erfand, war dann das folgende: Stromausfall, auweia, können wir jetzt gar nicht raus aus dem Festsaal (dieser Zusammenhang blieb übrigens so vage, wie er jetzt erscheint), müssen wir schnell Licht mit unseren Handys machen und Essen einsammeln und Trinken, hui ist das lustig, dann lesen wir noch aus einem Buch einer Zuschauerin, damit es beim Kulturprogramm bleibt, dann geht das Licht wieder an und alle werden entlassen, hui ist das lustig. Was ist Performance? Eine gute Performance bringt die Zuschauer aus dem Konzept, lässt sie sich unsicher und unwohl fühlen, bindet sie so ein, dass sie sich nicht entziehen können, lässt sie durcheinander geschüttelt und im besten Fall aufgerüttelt zurückbleiben – auf jeden Fall nachdenklich. Bei dieser Performance von <em>Turbo Pascal</em> war allerdings alles so vorhersehbar, so unaufregend, so allbekannt – es ließ einen schlichtweg kalt. Das war eine ganz nette Comedy-Performance, einigermaßen unterhaltsam, aber am Ende doch – belanglos.</p>
<p><strong>23:30 KOMISCHE OPER BERLIN: Die schönsten Operntode II</strong></p>
<p>Ja, die <strong><a href="http://www.komische-oper-berlin.de/">Komische Oper</a></strong> kommt in letzter Zeit auf diesem Blog wohl immer gut weg, und so auch in diesem Beitrag: Es war ein Highlight. Die Solisten Erika Roos (Sopran), Jan Martinik (Bass) und David Williams (Bariton) präsentierten ihre Lieblingsarien zum Thema Tod zu einer Klavierbegleitung und sympathisch altmodischen Bühnenbild mit Sarg, Schädel und Kerzen, bevor Erika Roos und Jan Martinik zusammen mit Adrian Strooper und Elisabeth Starzinger noch einen Part aus Mozarts Requiem sangen. Durch den Abend führte ein freundlich enthusiastischer Moderator, der neben Informationen zu Werken und Sängern auch einige Kalauer parat hatte, und den Abend auf den Punkt brachte: „Nirgendwo wird so schön gestorben wie in der Oper.“ Nein, nirgendwo. Denn tatsächlich gestorben ist an diesem Abend nur Erika Roos (David Williams besang zum Beispiel Papagenos halbherzige Selbstmorddrohungen, die ja dann durch das unverhoffte Auftauchen Papagenas zerschlagen werden), und das war tatsächlich unbeschreiblich schön. So einen Sopran hört man wohl selten auf den Berliner Bühnen: Sie sang so klar, so sauber, dabei aber so unverkrampft und locker-leicht, wie es sein sollte. Da wurde kein Ton gequetscht, herausgepresst, nichts, wirklich nichts war von all der Anstrengung zu hören, die es kostet, solche Höhen zu erreichen, wie sie Erika Roos an diesem Abend erreicht hat: Es war einer meiner schönsten Opern-Momente. Wenn es Menschen gibt, die in der Oper weinen müssen, weil es so schön ist – an diesem Abend konnte man sie verstehen. So saß man mit aufgestellten Arm- und Nackenhaaren in den Opernsessel verkrampft und wollte, dass es nie, nie aufhört, dass sie nie, nie stirbt diese wunderbare Sopranistin, dass sie immer weitersingt, dass diese Lange Nacht zur längsten aller Nächte wird – man wurde enttäuscht. Irgendwann erdolchte sie sich selbst. Um dann für tosenden Applaus wieder aufzuerstehen. Ein Applaus, der vielleicht nicht nur diesen Arien in der Komischen Oper galt – sondern einer ganzen Langen Nacht.</p>
<p>Lydia Dimitrow</p>
<p>Alles zur 2. Langen Nacht der Opern und Theater findet man <a href="http://web1.heimat.de/theaternacht-berlin/index.php">hier</a>.</p>
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		<title>Der Amoklauf in der Box</title>
		<link>http://keindrama.net/2010/04/09/der-amoklauf-in-der-box/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Apr 2010 10:02:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Amoklauf mein Kinderspiel (Thomas Freyer) am 06.04.10 in der Box des Deutschen Theater. Regie: Felicitas Brucker.
Drei Jugendliche, die keine Namen haben, aber Geschichten.  Geschichten und – Rollen. Jeder ist mal jemand Anderes: die Mutter, der Vater, die andere Mutter, der Schulhausmeister, der Lehrer, die Direktorin. Man erzählt seine Geschichte, indem man in Rollen schlüpft, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Amoklauf mein Kinderspiel</em> (Thomas Freyer) am 06.04.10 in der Box des Deutschen Theater. Regie: Felicitas Brucker.</p>
<p>Drei Jugendliche, die keine Namen haben, aber Geschichten.  Geschichten und – Rollen. Jeder ist mal jemand Anderes: die Mutter, der Vater, die andere Mutter, der Schulhausmeister, der Lehrer, die Direktorin. Man erzählt seine Geschichte, indem man in Rollen schlüpft, die anderen auf der Bühne in Rollen schlüpfen lässt, indem man einen Hauskittel anzieht, eine Gitarre in die Hand nimmt, einen Apfel wirft. Nichts ist statisch, nichts ist fest, alles ist Spiel. Ernstes Spiel. Denn da auf der Bühne geht es um Überdruss, um Verlorenheit und Suche, um Auflehnung und Resignation; es geht um Kotzen nach dem Essen, Gewalt gegen andere, Gewalt gegen sich selbst – eine Scherbe durchtrennt die Haut am Knie: „Das Blut ist warm, wie Haut unter der Decke.“</p>
<p>Wie eine Scherbe, die Haut durchtrennt, kommt einem auch der Text von Thomas Freyer vor. Es gibt kein Entrinnen, man kann sich nicht entziehen – nicht dieser sehr genauen Sprache, die immer an der richtigen Stelle ansetzt, nicht ihrer ganzen Brutalität, der Wucht, mit der der Zuschauer von ihr, von dem Stück getroffen wird. <em>Amoklauf mein Kinderspiel</em> ist kein angenehmes Stück. Man fühlt sich nicht wohl, keine Minute. Man möchte die Augen schließen, vielleicht noch viel lieber die Ohren, man möchte alles stoppen, nicht wissen, wo es hinführt, nicht wissen, wie es dazu kam. Das Spielerische, das Leichte kommt einem so unpassend vor in Anbetracht der fast schon grausigen Verlorenheit der Figuren, dass man es kaum aushält. Die Verspieltheit zieht einem den Boden unter den Füßen weg, weil sie genau eins nicht erlaubt: Betroffenheit. Und ist Betroffenheit nicht das, was wir bei einem Amoklauf vor allem empfinden, empfinden wollen? Vielleicht auch noch Wut. Aber bei diesem Stück kommt keine Wut auf, auch kein Mitleid, nicht für die drei Jugendlichen, nicht für ihre Eltern, nicht für die Lehrer. Denn man kennt diese Jugendlichen. Die ein Hakenkreuz an die Schulmauer schmieren. Die heute keinen Hunger haben. Die Angst vor Mathe haben. Und man kennt auch diese Eltern, die fragen: „Was ist denn los?“, die Handtücher im OTTO-Katalog bestellen, die heute Abend mal wieder fernsehen. Und wir kennen diese Lehrer, ihre Ratschläge, ihre Ermahnungen. Und genau deswegen wird es einem in diesem Stück so oft so mulmig zumute: Weil man so viel von dem, was da auf der Bühne erzählt wird, kennt. Und es dadurch so nah ist.</p>
<p>Das ist eine der großen Stärken des Stücks: Die Figuren, ihre Sprache wirken authentisch und sind trotzdem in hohem Maße durchkonstruiert und poetisch. Dass das aber so deutlich wird, dass jedes Wort trifft, ist an diesem Abend vor allem den Spielern (Gabór Biedermann, Olivia Gräser und Ole Lagerpusch) zu verdanken. Sie arbeiten den Text heraus in seiner ganzen Klarheit, in seiner ganzen Scherbenschärfe und spielen wunderbar leicht miteinander, ihren vielen Rollen und all den Requisiten, die sich in der übermächtig scheinenden Schrankwand verbergen. Von den Spielern werden sie zutage gefördert, jedesmal wie zufällig, und dann fliegen die Äpfel, die Ordner, die Schals.</p>
<p>Gabór Biedermann und Olivia Gräser machen ihre Sache gut, wenn sie schreien oder flüstern oder singen. Man nimmt ihnen ab, was sie da verkörpern, ohne zu zögern. Aber Ole Lagerpusch nimmt man nichts ab – keinen Moment zweifelt man daran, dass er all das IST, was er da darstellt. Selten sieht man auf den Berliner Theaterbühnen einen Schauspieler, der so schnell, so überzeugend seinen Ausdruck wechseln kann, der mit seiner Mimik arbeitet, als sei sie Knete, dem die Augen zucken können, die Hände, dann wieder lacht der die Zuschauer aus, Selbstsicherheit in seinem Blick, in seiner Haltung: Er IST jede Nuance seiner Rollen, in die er von einer Minute zur anderen schlüpfen kann. Wenn die Box des DT nicht so intim wäre, man wäre beim Schlussapplaus aufgesprungen und hätte geschrien: Bravo!</p>
<p>Wenn die Box des DT nicht so intim wäre. Und wenn einem nach diesem Stück das Schlucken nicht so schwerfiele.</p>
<p>Lydia Dimitrow</p>
<p>Alle Infos zum Stück und weitere Termine findet man <a href="http://www.deutschestheater.de/spielplan/premieren/amoklauf_mein_kinderspiel/">hier</a>.</p>
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		<title>Die Dukes Of Windsor im Magnet</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Mar 2010 13:44:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bericht]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Konzert]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Dukes of Windsor im MAGNET – das ist wirklich kein Drama, aber warum nicht auch mal ein Konzert besprechen? Vor allem, wenn es um eine Band mit einem so besonderen Lokalkolorit geht: Die fünfköpfige Band bestehend aus Oscar Dawson, Joe Franklin, Scott Targett, Jack Weaving  und Mirra Seigerman hat im Dezember 2009 ihr sonniges [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <strong>Dukes of Windsor</strong> im MAGNET – das ist wirklich kein Drama, aber warum nicht auch mal ein Konzert besprechen? Vor allem, wenn es um eine Band mit einem so besonderen Lokalkolorit geht: Die fünfköpfige Band bestehend aus Oscar Dawson, Joe Franklin, Scott Targett, Jack Weaving  und Mirra Seigerman hat im Dezember 2009 ihr sonniges Australien verlassen und ist geschlossen in die coolste Stad der Welt gezogen – Berlin. Mindestens seitdem laufen auch die Berliner Radios bei dem <em>Dukes</em>-Song <em>It’s A War</em> heiß.</p>
<p>Weniger heiß lief gestern leider das Berliner Publikum im MAGNET (der übrigens noch diesen Monat die Greifswalder Straße verlässt!). Bei der Dukes-Vorband <strong>The Intersphere</strong> war das auch mehr als verständlich. Pseudo-cooler Emotional-Rock à la Muse (oder wer weiß, bei wem sich die Band versucht hat, leidende Rocker-Posen abzugucken), der in erster Linie unecht und aufgesetzt wirkte und die Beine so gar nicht zum Tanzen verführen wollte. Das könnte auch daran gelegen haben, das im Grunde ein Song wie der andere klang; und 45 Minuten zu einem einzigen Song tanzen will ja nun wirklich niemand – es sei denn vielleicht, es ist ein <em>Doors</em>-Song. Türen haben <em>The Intersphere</em> aber gestern eher geschlossen: Türen zum Mittanzen, zum Mitpogen, zum Mitrocken – zum Mitgehen.</p>
<p>Warum das Publikum bei den <em>Dukes Of Windsor</em> dann aber eine ziemlich zähe Masse blieb, ist dann wohl doch eher ein Rätsel des Berliner Nachtlebens: für mich ungelöst. Tanzende Menschen waren jedenfalls nur vereinzelt anzutreffen, vor allem wenn Mit-dem-Kopf-Wippen-und-mit-den-Zehen-Wackeln nicht zählt, von Pogo ganz zu schweigen. An den <em>Dukes</em> lag das aber nicht, die lieferten nämliche eine enthusiastische, überzeugende Show ab. Mit neuen Songs und gut bekannten Singles (<em>It’s A War</em> als dritter Song des Abends), mit authentischen und gar nicht ausgelatschten Rocker-Posen kamen sie musikalisch auf den Punkt, boten mehr, als eine myspace-Seite bieten kann, und waren dabei so sympathisch!</p>
<p>Diese Sympathien hatte die Band vor allem Sänger Jack Weaving zu verdanken (der beim Tanzen immer ein bisschen aussieht, als würde er durch den Görlitzer Park joggen), und das obwohl er fast gegen Ende erklären musste: „Ich bist krank.“ Da wurde er auch gleich von Gitarrist Oscar Dawson korrigiert: „Ich bin krank, du bist krank. Und Jack ist ein Dummkopf.“ Klar. Bei einmal die Woche Volkshochschule muss man mit seinen frischen Deutschkenntnissen auch mal ein bisschen angeben können… Sie meinen es eben ernst mit ihrem neuen Zuhause.</p>
<p>Und das ist in gewisser Weise auch ihr Kapital: Die <em>Dukes Of Windsor</em> sind keine besonders innovative oder einzigartige Band, deren Alben man all seinen Freunden zu Weihnachten schenken will. Sie bieten einfach soliden Indie-Rock zum Tanzen, zum Spaß haben, zum Abgehen. Und sind eben vor allem eins: sympathisch. Deswegen bleiben sie auch auf jeden Fall ein Tipp für alle Berliner, die für nicht ganz so viel Geld (gestern: Ticket 8€) ein gutes Rockkonzert erleben wollen. Und nebenbei eben auch ein bisschen Verliebt-in-Berlin.</p>
<p>Lydia Dimitrow</p>
<p><a href="http://www.myspace.com/dukesofwindsor">Noch mehr Infos zu den <strong>Dukes of Windsor</strong>: zum Hören auf myspace</a>.</p>
<p><a href="http://ichbineinduke.wordpress.com/">Und dann noch ihr Blog:  (genauso sympathisch wie die Band selbst).</a></p>
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		<title>Andorra im Berliner Ensemble</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 11:47:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lydia Dimitrow</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bericht]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Ensemble]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 21. Februar 2010 postet keinHamlet das Zitat des Tages: „Die meisten verwechseln Dabeisein mit Erleben“ (Max Frisch). Wie passend also, dass man am 23.02.10 dann bei der Inszenierung  von Frischs Andorra im Berliner Ensemble dabei sein konnte. Wer da aber Dabeisein mit Erleben verwechselt hat, waren wohl weniger die Zuschauer als vielmehr die Spieler. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 21. Februar 2010 postet keinHamlet das Zitat des Tages: „Die meisten verwechseln Dabeisein mit Erleben“ (Max Frisch). Wie passend also, dass man am 23.02.10 dann bei der Inszenierung  von Frischs <em>Andorra</em> im Berliner Ensemble <em>dabei sein</em> konnte. Wer da aber Dabeisein mit Erleben verwechselt hat, waren wohl weniger die Zuschauer als vielmehr die Spieler. Leider. Raum für Erleben blieb jedenfalls auf keiner der beiden Seiten vom Bühnenrand.</p>
<p><em>Andorra</em> – altbekannter Stoff zumindest für Berliner Schüler. Es geht um einen Juden, der gar keiner ist, aber irgendwann anfängt, die ihm zugeschriebene Rolle anzunehmen; es geht um Wahrheit, Identität, Schuld; um ein schneeweißes Andorra, das sich von den „Schwarzen“ bedroht fühlt, aber letztendlich selbst seine weißen Mauern rot färbt.</p>
<p>Frisch dekliniert in diesem Stück seinen Leitsatz „Du sollst dir kein Bildnis machen“ bis zum (bitteren) Ende durch: In <em>Andorra</em> führt das Bildnis Machen zum Tod. Zu Tod, Zerstörung, Wahnsinn. Auf der Bühne des Berliner Ensembles führt es allerdings nur zu einer oberflächlichen und belanglosen Inszenierung. Denn den Satz „Du sollst dir kein Bildnis machen“ hat sich Spielleiter Claus Peymann ganz offensichtlich nicht zu Herzen genommen. Frischs deutliche Figurenzeichnung mutiert bei Peymanns Spielern zu holzschnittartiger Oberflächlichkeit.</p>
<p>Zum Glück trägt der Soldat (Georgios Tsivanoglou), der Barblin (Judith Strößenreuter) bedrängt und Andri (Thomas Niehaus) schikaniert, Springerstiefel und eine unvorteilhaft sitzende Camouflage-Hose, sonst hätte man ihn ja nicht als Soldat erkannt! Zum Glück ist er dick, ungehobelt und laut – und das in jeder Minute seines Auftritts. Sonst hätte sich ja fast eine Spannung, ein ambivalentes oder gar hin und her gerissenes Verhältnis zwischen ihm und Barblin entwickeln können! Sonst hätte der Zuschauer ja fast einen Moment die scharfe Trennlinie zwischen Gut und Böse aus den Augen verlieren können… So ein Glück auch, dass Barblin am Ende mit kurz geschorenem Haar in Erscheinung tritt – eben so, wie es sich für eine Judenhure und eine, die wahnsinnig geworden ist, gehört.</p>
<p>Peymanns Inszenierung lässt keinen Raum für Nuancen, und damit ebenso wenig für Authentizität. Die Schuld, die Andris Vater (Norbert Stöss) anfängt zu spüren und die ihn schließlich in den Selbstmord treiben wird, wird behauptet, nicht gezeigt. Andris Mutter, die Senora (Ursula Höpfner-Tabori) bleibt farblos, nichtssagend, unnötig. Die scheinbaren Geständnisse der Andorraner , die in Wirklichkeit Versuche sind, die Schuld von sich zu weisen, werden so plakativ inszeniert, dass da nichts bleibt von dem aufrichtigen, verzweifelten Versuch oder auch dem eiskalt kalkulierten Ergreifen der Möglichkeit, sich selbst freizusprechen, nichts von dem Schwanken zwischen Schuldeingeständnis und Sich-selbst-Belügen.</p>
<p>Im Grunde hat Peymann natürlich Recht: Der Verrat, die Schuld sind groß, nicht klein, nur schade, dass sie eben auch so groß dargestellt werden, und nicht auch in ihrer Ambivalenz, in ihren kleinen Zeichen. Das Urteilen wird dem Zuschauer nicht schwer gemacht, aber genau das ist es im wirklichen Leben. Genau das ist es auch in Frischs Textvorlage. Aber im Berliner Ensemble macht sich der Zuschauer ein Bildnis. Und wird dem Stück damit am allerwenigsten gerecht.</p>
<p>Trotz allem – dank der ausgezeichneten Textvorlage und dem bemühten Spiel von Thomas Niehaus und Judith Strößenreuter geht der Zuschauer dann eben doch berührt aus dem Theatersaal. Es bleibt eben dabei: Unrecht und Leid lassen nicht kalt. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass nicht zu viele Berliner Schüler in diese Inszenierung geschickt werden – sie könnten am Ende denken, dass eben doch alles so einfach ist, wie die Andorraner vorgeben.</p>
<p>Lydia Dimitrow</p>
<p><a href="http://www.berliner-ensemble.de/repertoire.php?c=1"><em>Andorra</em> im Berliner Ensemble &#8211; zunächst zu sehen am 16.03.2010</a></p>
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		<title>Parasit – oder die Kunst sein Glück zu machen</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 00:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>keinHamlet</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bericht]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Ensemble]]></category>
		<category><![CDATA[Der Parasit]]></category>
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		<description><![CDATA[Gerne erinnere ich mich an den gestrigen Abend im BE. Gerne halte ich ein paar Gedanken fest, die meine Begleiter und ich hatten, diskutierten und uns nachdenklich machten. Ich würde den Abend als gelungen, interessant, als Kunst, die etwas auslöste bezeichnen, auch wenn das Stück nicht kräftig nach „vorne“ ging. Es wurden Akzente gesetzt, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerne erinnere ich mich an den gestrigen Abend im <a href="http://www.berliner-ensemble.de/repertoire.php?c=1&amp;id=49#">BE</a>. Gerne halte ich ein paar Gedanken fest, die meine Begleiter und ich hatten, diskutierten und uns nachdenklich machten. Ich würde den Abend als gelungen, interessant, als Kunst, die etwas auslöste bezeichnen, auch wenn das Stück nicht kräftig nach „vorne“ ging. Es wurden Akzente gesetzt, die auf Komödie (Parodie und Witz) hinwiesen, mir aber keine Lacher entlockten. Das Spiel schien Phasenweise zu einem Lehrstück umfunktioniert.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" title="BE" src="http://keindrama.net/wp-content/uploads/BE.gif" alt="" width="120" height="105" /></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Der Schein regiert die Welt</strong></p>
<blockquote style="text-align: justify;"><p>Inhalt: Narbonne, ein Minister des Königs, lässt sich durch einen Heuchler namens Selicour blenden, erkennt aber am Ende des Stückes, dass er dem Schein Selicours erlegen war und revidiert seine Entscheidungen.</p></blockquote>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.webnews.de/http://www.berlin-and-more.de/Veranstaltung/Buhne/helge-schneider-kramt-in-der-augsburger-puppenkiste-nach-moliere.html">Quelle: Kritik auf &#8220;berlin-and-more&#8221;</a></p>
<p style="text-align: justify;">Es waren tolle spielerische Leistung die Geboten wurden. Das Konzept zeigt einen 7-teiligen Silicour, alle Figuren in Puppenform und eine beeindruckendes Bühnenbild, was unglaublich viele Möglichkeiten bot und großartig bespielt wurde. Rollensplitting ist ja „alt wie Steinkohle“ und übt bietet zum Beispiel die Möglichkeit Vielschichtigkeit und Universalität auszudrücken. (Das Böse hat viele Gesichter). Bestimmte Gesten und Aktionen wurden Musikalisch von einem Musiker unterlägt, machte die kleine Welt noch plastischer. Teilweise befand man sich in der Puppenkiste, bekam die Handlung vorgesetzt, vorhersehbar, Häppchenweise. Interessant zuzusehen war es dadurch, dass im Wechselspiel mit dem Bühnenbild skurrile Szenen entstanden, der 7geteilte Silicour schnell an mehreren Orten war und agierte. Die entstandene Dynamik ging aber oft durch die scheinbar eingeschränkten Bewegungen der PuppenMenschen verloren.</p>
<p style="text-align: justify;">Die kleinen Menschen, mit künstlichem Körper, wirkten alle sehr „kopflastig“, als wenn ihr Kopf das einzig Normale an ihnen wäre. In den Gesprächen kamen wir zu einer Ego orientierten Gesellschaft, diesen Schluss jetzt auf die Aussage des Stückes zu projizieren, wäre vielleicht etwas weit gedacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Beeindruckend fand ich die Umsetzung der Rollen beispielsweise von dem „Gutmensch“ Firmin (gespielt von Roman Kaminski), der so selbstlos und gutgläubig war. Ich habe mit ihm gelitten und gefiebert. Am liebsten hätte ich manchmal geschrien: „LASS DIR DAS NICHT BIETEN“. Aber am Ende siegt das Gute, auch wenn sich Firmin völlig undramatisch erschießt, woran übrigens kaum jemand Anteilnahme nahm.(das ist als Kritik zu verstehen) Scheint alles egal, denn kurz darauf singen ja alle im „Musical Stil“:</p>
<blockquote style="text-align: justify;"><p>„Die kriechende Mittelmäßigkeit kommt weiter als das geflügelte Talent, der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der Bühne.“</p></blockquote>
<p><img class="alignnone" title="BE - Parasit" src="http://keindrama.net/wp-content/uploads/BE_2s.jpg" alt="" width="500" height="350" /></p>
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		<title>58 Theater in Berlin &#8211; Mitte</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Nov 2009 12:16:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>keinHamlet</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Theatersuche]]></category>

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		<description><![CDATA[
&#8220;58 Theater in Berlin Mitte&#8221;, sagt mir die Theatersuche auf theaterberlin.de. Ich bin vor einem Monat umgesiedelt und freue mich auf die Theater. Einige werde ich sicher besuchen. Die großen und bedeutenden Bühnen der Bundeshauptstadt. Da wähle ich in Berlin&#8230;. Gorki, dt, Volksbühne, BE und Hebel. Das ist doch mal ein Anfang.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img alt="" src="http://keindrama.net/wp-content/themes/cutline-3-column-split-11/cutline-3-column-split-11/images/58theaterberlin.GIF" title="theaterberlin.de" class="alignnone" width="500" height="310" /></p>
<p>&#8220;58 Theater in Berlin Mitte&#8221;, sagt mir die Theatersuche auf <a href="http://www.theaterberlin.de/">theaterberlin.de</a>. Ich bin vor einem Monat umgesiedelt und freue mich auf die Theater. Einige werde ich sicher besuchen. Die großen und bedeutenden Bühnen der Bundeshauptstadt. Da wähle ich in Berlin&#8230;. <a href="http://keindrama.net/2009/10/27/ruckblick-romeo-und-julia-maxim-gorki-theater/">Gorki</a>, dt, Volksbühne, BE und Hebel. Das ist doch mal ein Anfang.</p>
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